LEXIKON
Ein Referenzstandard ist eine Substanzprobe bekannter Identität und bekannten Gehalts, an der ein Labor seine Messung ausrichtet. Ohne einen solchen Standard lässt sich weder sicher sagen, welcher Stoff in einer Probe steckt, noch in welcher Konzentration. In der Abstinenzanalytik ist er deshalb die stille Voraussetzung jedes verwertbaren Befunds.
Zum einen dient der Referenzstandard der Zuordnung. Bei der GC-MS wird das Signal der Probe mit Retentionszeit und Massenspektrum des Standards verglichen, bei der LC-MS/MS mit dessen charakteristischen MRM-Übergängen. Zum anderen trägt er die Kalibration: Über eine Reihe von Standardlösungen bekannter Konzentration entsteht die Bezugskurve, ohne die keine Quantifizierung möglich wäre.
Ein Sonderfall ist der interne Standard bei der Isotopenverdünnung. Hier wird eine stabil markierte Variante des Zielstoffs der Probe schon vor der Aufarbeitung zugesetzt. Sie durchläuft alle Schritte mit und gleicht Verluste sowie Matrixeffekte rechnerisch aus.
Die Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 verlangt, dass alle technischen Verfahren vor ihrem Gebrauch validiert werden. Genau das geschieht mit Referenzmaterial: Nachweis- und Bestimmungsgrenze werden daran ermittelt, ebenso Linearität des Messbereichs, Richtigkeit, Wiederholpräzision und Selektivität gegenüber Begleitsubstanzen. Auch die Schätzung der Messunsicherheit stützt sich auf Kontrollproben, die aus Referenzmaterial hergestellt werden. Eine Methodenänderung zieht die Validierung erneut nach sich.
Ein Labor kann nur das messen, wofür es einen Standard besitzt und eine validierte Methode aufgebaut hat. Taucht eine bislang unbekannte Verbindung auf, muss zuerst Referenzmaterial verfügbar und beschaffbar sein, danach folgen Methodenentwicklung, Validierung und gegebenenfalls die Erweiterung des Akkreditierungsumfangs. Dieser Zeitversatz ist der praktische Grund dafür, dass neue psychoaktive Stoffe und Designer-Drogen in der Routineanalytik zunächst durch das Raster fallen können. Ein negativer Befund bedeutet immer nur: keiner der untersuchten Stoffe wurde über der jeweiligen Grenze gefunden.
Nein. Der Referenzstandard definiert Identität und Konzentration und dient der Kalibration. Eine Kontrollprobe wird aus Referenzmaterial hergestellt und läuft mit jeder Analysenserie mit, um die laufende Leistung des Verfahrens zu überwachen.
Nur wenn der Stoff im Leistungsverzeichnis des Labors steht. Der Laborauftrag wird von der durchführenden Stelle nach der Fragestellung der Behörde gestellt; eine Erweiterung setzt eine validierte Methode voraus.
Dann ist eine belastbare Quantifizierung ausgeschlossen. In solchen Fällen kann allenfalls beschrieben werden, dass ein Signal auf eine Substanzgruppe hindeutet – als Beleg im Sinne der CTU-Kriterien reicht das nicht.
Synonyme: Referenzmaterial, Kalibrierstandard. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh einschließlich Anhang C, DIN EN ISO/IEC 17025:2018, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.
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