LEXIKON

Bestimmungsgrenze

Die Bestimmungsgrenze (englisch limit of quantification, LOQ) ist die kleinste Konzentration, die ein Verfahren mit definierter Präzision und Richtigkeit als Zahl angeben kann. Oberhalb dieser Grenze ist ein Messwert nicht nur ein Hinweis auf Anwesenheit, sondern eine belastbare Menge. Sie liegt höher als die Nachweisgrenze und muss unterhalb des Cut-offs liegen.

Warum eine Zahl mehr verlangt als ein Signal

Ein Stoff kann nachgewiesen sein, ohne dass sich seine Menge verlässlich angeben lässt. Genau in dieser Lücke sitzt die Bestimmungsgrenze. Damit eine Konzentration im Befund erscheint, muss das Labor zwei Dinge belegen: Präzision, also dass Wiederholmessungen derselben Probe nahe beieinanderliegen, und Richtigkeit, also dass der gemessene Wert dem wahren Gehalt entspricht. Beides wird über Kontrollproben, Referenzstandards und in der Haaranalytik meist über Isotopenverdünnung abgesichert und im Rahmen der Validierung festgeschrieben.

Unterhalb der Bestimmungsgrenze berichten Labore deshalb keine Zahl, sondern eine Formulierung wie „nachgewiesen, unter der Bestimmungsgrenze“. Das ist kein Ausweichen, sondern fachlich korrekt: Eine Zahl, deren Streuung größer ist als ihr Informationsgehalt, würde eine Genauigkeit vortäuschen, die nicht besteht. Wer im eigenen Laborbefund so eine Angabe findet, liest also eine bewusste Zurückhaltung des Labors, nicht ein Versehen.

Die konkreten Anforderungen für Haaranalysen

Für die Haaranalytik sind die Anforderungen ausdrücklich benannt. Das Konsenspapier von 2021 verlangt für THC-Carbonsäure im Haar eine Bestimmungsgrenze von höchstens 0,2 pg/mg. Diese Zahl ist die eigentliche Anforderung an das Labor – einen Cut-off gibt es für diesen Analyten nämlich gar nicht. Für Ethylglucuronid nennt die Fachliteratur eine angestrebte Methodensensitivität unter 1 pg/mg, und die schweizerische Richtlinie fordert einen untersten Kalibrationspunkt von höchstens 5 pg/mg.

Analyt Anforderung Herkunft
THC-COOH im Haar LOQ höchstens 0,2 pg/mg Konsenspapier 2021
Ethylglucuronid im Haar angestrebte Methodensensitivität unter 1 pg/mg Fachpublikation 2017
Ethylglucuronid im Haar unterster Kalibrationspunkt höchstens 5 pg/mg schweizerische Richtlinie 2017
Phosphatidylethanol im Blut LOQ 8 ng/ml Fachliteratur

Der Vergleich mit der Nachweisgrenze zeigt, wie eng es zugeht: Publiziert sind für THC-Carbonsäure mit GC-NCI-MS/MS eine Nachweisgrenze von 0,02 und eine Bestimmungsgrenze von 0,05 pg/mg. Zwischen dem ersten sicheren Signal und der ersten belastbaren Zahl liegt also nur ein kleiner, aber technisch anspruchsvoller Schritt.

Warum die Bestimmungsgrenze unter dem Cut-off liegen muss

Dieser Punkt ist logisch zwingend und wird oft übersehen. Eine Entscheidung an einer Schwelle setzt voraus, dass man Werte in der Umgebung dieser Schwelle überhaupt zahlenmäßig fassen kann. Läge die Bestimmungsgrenze bei 5 pg/mg und der Ethylglucuronid-Cut-off ebenfalls bei 5 pg/mg, könnte das Labor nicht sagen, ob ein Befund knapp darunter oder knapp darüber liegt – jede Entscheidung wäre Zufall. Erst wenn das Verfahren deutlich tiefer quantifiziert, wird die Schwelle zu einer tragfähigen Grenze.

Deshalb ist die Bestimmungsgrenze ein Kernbestandteil der Anforderungen an die toxikologische Analyse nach CTU 3. Ein Labor, das die geforderte Grenze nicht erreicht, kann formal keinen verwertbaren Beitrag zum Abstinenznachweis liefern, auch wenn seine Messungen technisch einwandfrei sind. Die Verwertbarkeit hängt hier an einer Zahl in der Methodenbeschreibung, nicht am Ergebnis.

Eine kursierende Angabe, die sich nicht belegen lässt

Im MPU-Umfeld wird häufig eine bestimmte „Routinebestimmungsgrenze deutscher Labore“ für Ethylglucuronid im Haar genannt, meist ohne Quelle und ohne Datum. Diese Angabe lässt sich in den einschlägigen Konsenspapieren und Richtlinien nicht auffinden, und sie wird hier deshalb bewusst nicht wiedergegeben. Belegt sind allein die oben genannten Anforderungen: eine angestrebte Methodensensitivität unter 1 pg/mg und ein unterster Kalibrationspunkt von höchstens 5 pg/mg.

Wer wissen will, welche Bestimmungsgrenze das eigene Ergebnis trägt, findet die Antwort nicht in Foren, sondern in der Methodenangabe des Befunds. Labore führen sie in der Regel dort auf; sie kann bei der durchführenden Stelle erfragt werden. Das ist der einzige belastbare Weg, weil die Grenze verfahrensspezifisch ist und sich mit einer Methodenänderung verschieben kann.

Zusammenspiel mit Messunsicherheit und Qualitätskontrolle

Die Bestimmungsgrenze sagt, ab wann eine Zahl belastbar ist. Wie breit ihr Streubereich ausfällt, sagt die Messunsicherheit – für die Haaranalytik harmonisiert bei rund 30 Prozent. Beide Größen werden im laufenden Betrieb überprüft: über die interne Qualitätskontrolle mit mitgeführten Kontrollproben und über die Teilnahme an Ringversuchen, die nach der Akkreditierungsnorm ohnehin verpflichtend ist. Eine Bestimmungsgrenze aus einer alten Validierung, die im Alltag nicht mehr bestätigt wird, würde in diesen Kontrollen auffallen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bestimmungsgrenze und Nachweisgrenze?

Die Nachweisgrenze beantwortet, ob ein Stoff vorhanden ist; die Bestimmungsgrenze, wie viel davon belastbar angegeben werden kann. Bei THC-Carbonsäure liegen publizierte Werte bei 0,02 pg/mg (Nachweis) und 0,05 pg/mg (Bestimmung).

Warum steht in meinem Befund eine Zahl ohne Komma-Genauigkeit?

Weil oberhalb der Bestimmungsgrenze nur so viele Stellen sinnvoll sind, wie die Präzision des Verfahrens trägt. Bei rund 30 Prozent Messunsicherheit wäre eine Angabe mit mehreren Dezimalstellen irreführend genau.

Muss jedes Labor dieselbe Bestimmungsgrenze haben?

Nein, aber jedes Labor muss die geforderte Grenze erreichen. Für THC-Carbonsäure im Haar sind höchstens 0,2 pg/mg gefordert; ein empfindlicheres Verfahren darf tiefer liegen, ein unempfindlicheres genügt der Anforderung nicht.

Kann ein Befund unter der Bestimmungsgrenze gegen mich verwendet werden?

Ein Nachweis unterhalb der Bestimmungsgrenze wird als solcher berichtet und fließt in die Gesamtbewertung ein, trägt aber keine quantitative Aussage. Wie er gewertet wird, entscheidet die sachverständige Interpretation im Zusammenhang aller Befunde.

Verwandte Begriffe

  • Nachweisgrenze – die darunterliegende, rein qualitative Grenze
  • Cut-off – die Bewertungsschwelle, die oberhalb der Bestimmungsgrenze liegen muss
  • Quantifizierung – der Vorgang, für den die Bestimmungsgrenze die Untergrenze setzt
  • Wiederholpräzision – eine der beiden Eigenschaften, die die Grenze definieren
  • Ringversuch – prüft, ob die validierten Grenzen im Alltag tragen
  • CTU 3 – verlangt bestimmte Bestimmungsgrenzen für die toxikologische Analyse

Synonyme: LOQ, limit of quantification, Quantifizierungsgrenze, Erfassungsgrenze im weiteren Sinne. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing 2021, Richtlinie der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin 2017, Richtlinien der GTFCh zur Qualitätssicherung, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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