LEXIKON

Quantifizierung

Quantifizierung ist der Schritt der Laboranalytik, in dem nicht nur festgestellt wird, ob ein Stoff in einer Probe vorhanden ist, sondern wie viel davon. Sie liefert einen Zahlenwert mit Einheit – etwa Pikogramm pro Milligramm Haar oder Nanogramm pro Milliliter Urin – und ist die Voraussetzung dafür, einen Befund mit einem Cut-off vergleichen zu können.

Identifizierung und Quantifizierung sind zwei verschiedene Aufgaben

Die qualitative Identifizierung beantwortet die Frage nach der Anwesenheit eines Analyten. Sie stützt sich auf strukturbezogene Merkmale, bei der GC-MS etwa auf Retentionszeit und Massenspektrum, bei der LC-MS/MS auf definierte MRM-Übergänge. Die Quantifizierung setzt darauf auf und ordnet dem Signal über eine Kalibrationsreihe eine Konzentration zu. Beides gehört zusammen: Ein Zahlenwert ohne gesicherte Identifizierung ist wertlos, eine Identifizierung ohne Zahlenwert reicht für einen Cut-off-Vergleich nicht aus.

Der Bezug zur Bestimmungsgrenze

Der Punkt, an dem Identifizierung und Quantifizierung auseinandertreten, ist die Bestimmungsgrenze (LOQ). Sie ist die kleinste Konzentration, die mit definierter Präzision und Richtigkeit quantifiziert werden kann. Darunter liegt die Nachweisgrenze (LOD), bei der ein Stoff zwar sicher als vorhanden erkannt, aber nicht mehr belastbar beziffert wird. Ein Befund zwischen LOD und LOQ wird deshalb typischerweise als Spur beschrieben und nicht mit einer Zahl versehen.

Wie anspruchsvoll das werden kann, zeigt die THC-Carbonsäure im Haar. Für sie nennt das Konsenspapier zu Drogen von 2021 keinen Cut-off, sondern fordert lediglich eine minimale Bestimmungsgrenze von 0,2 pg/mg. Das liegt rund 250-fach unter dem THC-Cut-off von 50 pg/mg und verlangt eine entsprechend empfindliche Methode.

Wie ein belastbarer Zahlenwert entsteht

Grundlage ist eine Kalibration mit einem zertifizierten Referenzstandard. In der Praxis der Haar- und Niedrigkonzentrationsanalytik wird zusätzlich mit Isotopenverdünnung gearbeitet: Ein stabil markierter interner Standard wird der Probe vor der Aufarbeitung zugesetzt und gleicht Verluste bei Extraktion und Messung sowie Matrixeffekte aus. Das Verfahren muss zuvor validiert sein.

Warum ein Zahlenwert nie allein steht

Jeder Messwert trägt eine Messunsicherheit; für die Haaranalytik ist sie harmonisiert mit rund plus/minus 30 Prozent angegeben und bei Entscheidungen nahe dem Cut-off zugunsten der betroffenen Person zu berücksichtigen. Hinzu kommt: Ein quantitatives Ergebnis aus einer hinweisgebenden Analyse ist nach den Richtlinien der GTFCh isoliert nicht gerichtsverwertbar, sondern muss durch ein zweites unabhängiges, spezifisches und identifizierendes Verfahren mit mindestens gleicher Empfindlichkeit bestätigt werden.

Häufige Fragen

Warum steht auf manchen Befunden statt einer Zahl nur ein Kleiner-Zeichen?

Weil der Wert unterhalb der Bestimmungsgrenze liegt. Das Labor gibt dann an, dass die Konzentration kleiner als der jeweilige LOQ-Wert ist, weil eine genauere Bezifferung nicht mit der geforderten Präzision möglich wäre.

Bedeutet ein höherer Zahlenwert automatisch mehr Konsum?

Nicht zwangsläufig. Konzentrationen im Haar hängen unter anderem von Einlagerung, Segmentlänge und Vorbehandlung des Haares ab. Die Einordnung erfolgt deshalb über die sachverständige Interpretation und nicht über die Zahl allein.

Verwandte Begriffe

  • Bestätigungsanalyse – das identifizierende Verfahren, das den Zahlenwert absichert
  • Cut-off – die Entscheidungsgrenze, mit der der Wert verglichen wird
  • Messmethode – bestimmt, welche Konzentrationen überhaupt erfassbar sind
  • Validierung – belegt Präzision und Richtigkeit der Quantifizierung
  • Laborbefund – das Dokument, in dem der Wert ausgewiesen wird

Synonym: quantitative Analyse. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh einschließlich Anhang C, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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