LEXIKON
Die Wiederholpräzision beschreibt, wie eng Messergebnisse beieinanderliegen, wenn dieselbe Probe unter gleichen Bedingungen mehrfach untersucht wird. Sie ist eine der Kenngrößen, die bei der Validierung eines Analyseverfahrens bestimmt werden, und sie geht unmittelbar in die Messunsicherheit eines Befunds ein.
Gemeint sind Messungen an derselben Probe, im selben Labor, mit demselben Gerät, derselben Methode und in kurzem zeitlichem Abstand. Unter diesen eng gefassten Bedingungen zeigt sich die reine Streuung des Verfahrens, ohne dass Geräte- oder Personalwechsel hineinspielen. Genau deshalb ist die Wiederholpräzision die strengste und zugleich günstigste Präzisionskenngröße – sie fällt in der Regel besser aus als die Präzision über längere Zeiträume oder über mehrere Labore hinweg.
Präzision ist dabei nicht dasselbe wie Richtigkeit. Ein Verfahren kann sehr eng streuen und dennoch systematisch daneben liegen. Beide Eigenschaften werden im Rahmen der Validierung getrennt geprüft; erst zusammen ergeben sie ein belastbares Ergebnis.
Für betroffene Personen wird die Kenngröße dort greifbar, wo sie in die Messunsicherheit eingeht. Die GTFCh sieht vor, dass die Messunsicherheit über Ringversuche und die Laborpräzision aus Kontrollproben abgeschätzt wird. Beide Bausteine sind Präzisionsdaten: Die laborinterne Streuung kommt aus mitgeführten Kontrollproben, die externe Vergleichbarkeit aus Ringversuchen.
Für die Haaranalytik ist das Ergebnis dieser Abschätzung harmonisiert: Die Messunsicherheit beträgt rund plus/minus 30 Prozent. Bei Entscheidungen nahe an einem Cut-off ist sie zugunsten der betroffenen Person zu berücksichtigen.
Ein Beispiel macht die Tragweite deutlich. Für Ethylglucuronid im kopfnahen Haarsegment gilt: Ein Wert von höchstens 5 pg/mg widerspricht einer behaupteten Abstinenz nicht, ein höherer Wert spricht für wiederholten Alkoholkonsum. Ein Messergebnis dicht an dieser Grenze ist wegen der Streuung des Verfahrens jedoch keine punktgenaue Aussage, sondern ein Bereich. Ohne bekannte Präzision ließe sich dieser Bereich gar nicht angeben.
Deshalb ist die Präzision keine rein technische Größe, sondern eine Frage der Fairness des Verfahrens. Sie ist auch der Grund, warum die Quantifizierung erst oberhalb der Bestimmungsgrenze zulässig ist: Diese Grenze ist genau als die kleinste Konzentration definiert, die mit festgelegter Präzision und Richtigkeit quantifiziert werden kann.
Die bei der Validierung festgestellte Präzision bleibt nicht unbeobachtet. Im laufenden Betrieb werden Kontrollproben mitgeführt und ausgewertet; die interne Qualitätskontrolle prüft, ob das Verfahren weiterhin innerhalb der festgelegten Grenzen arbeitet. Ergänzend verlangt die Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 die Teilnahme an Ringversuchen und Eignungsprüfungen. Auch die Begutachtungsleitlinien greifen diesen Punkt auf und fordern Laboratorien, deren Analysen den Ansprüchen moderner Qualitätssicherung genügen, etwa durch erfolgreiche Teilnahme an Ringversuchen.
In der Regel nicht als eigene Zahl. Ausgewiesen wird das Messergebnis, gegebenenfalls mit einem Hinweis auf die Messunsicherheit. Die zugrunde liegenden Präzisionsdaten gehören zu den Validierungsunterlagen des Labors.
Weil jedes Analyseverfahren streut. Solange die Abweichung innerhalb der validierten Grenzen liegt, ist sie erwartbar und kein Zeichen eines Fehlers. Für die Haaranalytik ist eine Messunsicherheit von rund plus/minus 30 Prozent harmonisiert.
Sie ist bei Cut-off-Entscheidungen zugunsten der betroffenen Person zu berücksichtigen. Wie das im Einzelfall geschieht, ist Teil der sachverständigen Bewertung und nicht pauschal vorhersagbar.
Synonyme: Wiederholbarkeit, Repeatability. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh, DIN EN ISO/IEC 17025:2018, harmonisierte Vorgaben der SGRM zur Messunsicherheit in der Haaranalytik, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt (Stand 01.06.2022).
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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