LEXIKON

Serumalkohol

Serumalkohol ist die Konzentration von Ethanol im Blutserum. Sie beschreibt eine Momentaufnahme: Ethanol ist im Serum höchstens 24 Stunden nachweisbar, typischerweise 5 bis 7 Stunden. Für Abstinenzkontrollprogramme ist dieser Wert deshalb ohne Bedeutung – dort wird mit Markern gearbeitet, die weit längere Zeiträume abbilden.

Serumwert und Blutalkoholkonzentration sind nicht dasselbe

Die Blutalkoholkonzentration bezieht sich auf Vollblut und wird in Promille angegeben, der Serumwert auf die zellfreie Blutflüssigkeit. Beide Angaben stammen aus derselben Blutentnahme, sind aber nicht identisch und dürfen nicht gleichgesetzt werden. Welche Umrechnung im forensischen Kontext angewendet wird, ist eine Frage der Begutachtung im Einzelfall und wird hier nicht beziffert. Entscheidend für Betroffene ist nur: Auf jedem Befund muss stehen, welche Matrix zugrunde liegt – Serum, Plasma oder Vollblut.

Die rechtlich relevanten Alkoholwerte

§ 13 Satz 1 Nummer 2 Buchstabe c FeV knüpft an eine Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr beziehungsweise eine Atemalkoholkonzentration von 0,8 mg/l oder mehr an. Der oft genannte Wert von 1,1 Promille steht nicht in der Fahrerlaubnis-Verordnung. Er hat eine andere Bedeutung: Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 17. März 2021 – 3 C 3.20 kann eine MPU auch unterhalb von 1,6 Promille angeordnet werden, wenn eine Zusatztatsache vorliegt; von einer außergewöhnlichen Alkoholgewöhnung kann ausgegangen werden, wenn bei einer Trunkenheitsfahrt 1,1 Promille oder mehr vorlagen und dennoch keine alkoholbedingten Ausfallerscheinungen zu erkennen waren.

Was hohe Werte in der Begutachtung auslösen

Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien hat die Schwellen für die Annahme einer Toleranzentwicklung angehoben.

Sachverhalt 5. Auflage 4. Auflage (historisch)
Trunkenheitsfahrt als Toleranzhinweis ab 2,5 ‰ ab 2,0 ‰
Fahrt ohne außergewöhnliche Ausfallerscheinungen ab 2,0 ‰ ab 1,6 ‰

Ergänzend nennt Kriterium A 3.1 K in Punkt 8 eine ausgeprägte Toleranzbildung, wenn 1,6 Promille auch außerhalb des Straßenverkehrs erreicht wurden. Mehr zum Hintergrund unter Alkoholtoleranz.

Warum Serumalkohol kein Abstinenzmarker ist

Ein negativer Ethanolbefund belegt allenfalls, dass zum Entnahmezeitpunkt kein nennenswerter Alkohol im Blut war. Abstinenz über Wochen oder Monate zeigen erst direkte Alkoholmarker: EtG und EtS im Urin über einige Tage, PEth im Vollblut über etwa drei bis vier Wochen und EtG im Haar je Analyse bis zu drei Monate. Der Unterschied ist der Kern des Themas Restalkohol.

Häufige Fragen

Wird bei einer Abstinenzkontrolle Serumalkohol bestimmt?

In der Regel nicht. Kontrollprogramme setzen auf EtG und EtS im Urin, auf PEth im Blut oder auf EtG im Haar. Ethanol selbst würde nur einen Zeitraum von Stunden abdecken.

Ist ein Serumwert genauer als eine Atemalkoholmessung?

Es sind unterschiedliche Verfahren mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. Die Fahrerlaubnis-Verordnung nennt beide nebeneinander, mit 1,6 Promille für die Blut- und 0,8 mg/l für die Atemalkoholkonzentration.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Blutserumalkohol, Ethanol im Serum. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Fahrerlaubnis-Verordnung, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, Richtlinien der GTFCh.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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