LEXIKON
Phosphatidylethanol (PEth) ist ein direkter Alkoholmarker, der im Blut bestimmt wird und nur entsteht, wenn Ethanol im Körper vorhanden war. Mit einer Halbwertszeit von 3 bis 12 Tagen deckt PEth einen Zeitraum von etwa 3 bis 4 Wochen ab. Für den deutschen Abstinenzbeleg gilt ein Cut-off von 20 ng/ml. Zum 1. Juni 2026 wurde der Start- und Maximalwert beim kontrollierten Trinken von 100 auf 60 ng/ml gesenkt.
PEth ist kein Abbauprodukt im klassischen Sinn, sondern ein verändertes Membranlipid. Ist Ethanol im Blut vorhanden, baut das Enzym Phospholipase D es anstelle von Wasser in Phosphatidylcholin ein. Es entsteht Phosphatidylethanol, das in der Membran der roten Blutkörperchen verbleibt und dort mit der Lebensdauer der Zellen langsam wieder verschwindet. Ohne Alkoholaufnahme gibt es keinen Bildungsweg, weshalb PEth zu den direkten Alkoholmarkern zählt und sich von den indirekten Markern wie CDT oder GGT grundlegend unterscheidet.
Gemessen wird in EDTA-Blut oder in Kapillarblut, gewonnen über eine Blutentnahme oder eine Fingerbeere. Die Bestimmung erfolgt massenspektrometrisch. Weil PEth an Zellen gebunden ist, gehört die Probe gekühlt in das Labor; Blutproben werden nach der Berichterstattung zwei Jahre asserviert.
Der Cut-off für den Abstinenzbeleg im Rahmen der MPU liegt bei 20 ng/ml. Darüber hinaus arbeiten Labore mit einer dreistufigen Einordnung, die nicht nur zwischen Abstinenz und Konsum, sondern auch zwischen moderatem und chronischem Trinkverhalten unterscheidet. Die Angaben in µg/l und ng/ml bezeichnen dabei dieselbe Größe.
| Messwert | Bewertung |
|---|---|
| unter 20 µg/l | vereinbar mit Abstinenz oder niedrigem Konsum |
| 20 bis 200 µg/l | signifikanter Alkoholkonsum |
| über 200 µg/l | chronischer Fehlgebrauch (früher: Missbrauch) |
| Bestimmungsgrenze 8 ng/ml | unterhalb dieses Werts keine Quantifizierung |
| 35 ng/ml | abweichender Wert der schwedischen Harmonisierung |
Dass verschiedene Länder unterschiedliche Grenzen verwenden, ist ein häufiger Grund für Verwirrung. Für ein deutsches Kontrollprogramm ist die Zahl 20 ng/ml einschlägig, nicht der schwedische Wert. Der internationale Referenztext zu PEth ist der Consensus of Basel aus dem Jahr 2022.
PEth reagiert schnell und verschwindet langsam. Nach einer Alkoholaufnahme ist der Marker bereits nach 1 bis 2 Stunden ansprechbar. Die Halbwertszeit von 3 bis 12 Tagen erklärt das Nachweisfenster von etwa 3 bis 4 Wochen. Damit liegt PEth zeitlich zwischen den Urinmarkern EtG und EtS, die nur Tage abdecken, und der Haaranalyse, die Monate abbildet.
Die Spannweite der Halbwertszeit ist groß und individuell verschieden. Eine Untersuchung an 687 Fällen ergab eine Spezifität von mindestens 0,987 für die Aussage „vereinbar mit Abstinenz oder geringem Alkoholkonsum“ nach mindestens vier Wochen Abstinenz, sofern die Ausgangswerte bei höchstens 160 ng/ml lagen. Bei sehr hohen Ausgangswerten kann der Rückgang entsprechend länger dauern.
Die wichtigste Aktualisierung betrifft nicht die Abstinenz, sondern das kontrollierte Trinken. In den Beurteilungskriterien in der 5. Auflage 2026 wurde der Start- und Maximalwert für PEth im Abschnitt C 3.4 von 100 auf 60 ng/ml gesenkt. Diese Grenze ist für neue Programme ab dem 1. Juni 2026 bindend.
Für bereits laufende Programme gilt eine Übergangsregel: Wer mit einem Startwert zwischen 60 und 100 ng/ml begonnen hat, darf das Programm nach den Vorgaben der 4. Auflage fortführen. Wer neu einsteigt, muss den strengeren Wert einhalten. Wer im Netz auf die Zahl 100 ng/ml stößt, sollte deshalb prüfen, aus welchem Jahr die Quelle stammt – für neue Programme ist sie überholt.
PEth und EtG werden häufig verwechselt oder als austauschbar dargestellt. Sie sind es nicht. PEth wird ausschließlich im Blut bestimmt, EtG im Urin und im Haar. Die Zahlen sind deshalb nicht übertragbar: 20 ng/ml gilt für PEth im Blut, 100 ng/ml für EtG im Urin, 5 pg/mg für EtG im proximalen Haarsegment. Wer einen dieser Werte auf eine andere Matrix bezieht, kommt zu falschen Schlüssen. Welche Matrix für ein Abstinenzkontrollprogramm in Frage kommt, richtet sich nach der Fragestellung der Behörde und dem zu belegenden Zeitraum. Eine Einordnung aller Marker nebeneinander findet sich unter direkte Alkoholmarker.
Das hängt vom Ausgangswert ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Belegt ist, dass bei Ausgangswerten von höchstens 160 ng/ml nach mindestens vier Wochen Abstinenz eine sehr hohe Spezifität für die Vereinbarkeit mit Abstinenz erreicht wurde. Bei höheren Startwerten ist mehr Zeit einzuplanen.
Für neue Programme ab dem 1. Juni 2026 gilt 60 ng/ml. Laufende Programme mit einem Startwert zwischen 60 und 100 ng/ml dürfen nach der 4. Auflage weitergeführt werden. Verbindlich Auskunft gibt die Stelle, die das Programm führt.
Weder noch – beide beantworten unterschiedliche Fragen. PEth deckt 3 bis 4 Wochen ab und reagiert schon nach 1 bis 2 Stunden auf Konsum. Die Haaranalyse bildet bei Alkohol bis zu 3 Monate ab, ist dafür aber gegenüber Haarbehandlungen empfindlich.
Ein einzelner niedriger Wert schließt geringen oder länger zurückliegenden Konsum nicht aus, weil der Marker unterhalb der Bestimmungsgrenze von 8 ng/ml nicht quantifiziert wird. Deshalb wird ein Abstinenzbeleg nie auf eine einzelne Messung gestützt, sondern auf ein Programm mit mehreren Kontrollen.
Synonyme und Schreibweisen: Phosphatidylethanol, PEth, PEth 16:0/18:1. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Richtlinien der GTFCh, Consensus of Basel 2022, Fahrerlaubnis-Verordnung.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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