LEXIKON

Blutentnahme

Die Blutentnahme ist der Probenahmeschritt, mit dem im Abstinenzkontrollprogramm Material für PEth oder für Cannabinoidbestimmungen gewonnen wird. Anders als bei der Urinabgabe entsteht die Beweiskraft hier nicht über die Sichtkontrolle, sondern über die medizinische Durchführung und eine lückenlose Zuordnung von Person und Röhrchen.

Warum Manipulation hier kaum ein Thema ist

Bei der Urinabgabe muss ein erheblicher Aufwand betrieben werden, um Fremdurin und Verdünnung auszuschließen: Sichtkontrolle, Temperaturmessung zwischen 34 und 38 Grad Celsius, Kreatinin, pH-Wert. Bei der Blutentnahme entfällt dieser gesamte Komplex, weil die Probe unter medizinischer Aufsicht direkt aus dem Körper gewonnen wird. Der kritische Punkt verschiebt sich damit auf die Identitätsfeststellung vor dem Einstich und auf die sofortige Beschriftung und Versiegelung des Röhrchens.

Was bei der Entnahme dokumentiert wird

Die betroffene Person weist sich mit Lichtbildausweis aus. Erfasst werden Datum und Uhrzeit, das entnehmende Personal, das Probenmaterial und der laborinterne Code. Die GTFCh verlangt, dass alle Aufträge und Proben registriert, auf Vollständigkeit und Unversehrtheit geprüft und in bruchsicherer, dicht verschlossener Verpackung weitergegeben werden; Probenüberführungen sind im Vier-Augen-Prinzip zu protokollieren. Zu einer sauberen Entnahme gehört auch die Angabe verordneter Arzneistoffe, damit ein späterer Nachweis eingeordnet werden kann.

Material, Transport und Lagerung

Für die PEth-Bestimmung wird EDTA-Blut oder Kapillarblut verwendet, für THC- und THC-Carbonsäure-Bestimmungen Serum. Blutproben sind unverzüglich tiefzufrieren, mindestens bei minus 15 Grad Celsius, und ohne Hitze- und Lichteinfluss zu halten. Die Aufbewahrungsfrist ist bei Blut mit zwei Jahren länger als das allgemeine Minimum von sechs Monaten nach Berichterstattung – das ist der Grund, warum eine spätere Nachuntersuchung derselben Probe bei Blut oft noch möglich ist.

Was der Termin praktisch bedeutet

Blutkontrollen sind kurzfristig einbestellbar; die 5. Auflage nennt für den Cannabisweg des kontrollierten Konsums drei Blutkontrollen innerhalb von vier Monaten, wobei bei sehr kurzfristiger Einbestellung von maximal zwei Tagen ein THC-COOH-Wert ab 20 ng/ml als Kontraindikator gilt. Wer einen Termin nicht wahrnehmen kann, muss dies nach den Regeln des Programmvertrags melden; unentschuldigtes Fehlen führt in Kontrollprogrammen zum Abbruch, nicht zu einem Ersatztermin. Die Probe wird der betroffenen Person niemals ausgehändigt.

Häufige Fragen

Muss ich für die Blutentnahme nüchtern erscheinen?

Für die hier relevanten Marker ist keine Nahrungskarenz vorgesehen. Maßgeblich sind die Vorgaben der durchführenden Stelle im Programmvertrag; medizinische Hinweise zum Termin geben ausschließlich die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte.

Kann die Blutentnahme bei meiner Hausarztpraxis erfolgen?

Nur, wenn die Stelle nach CTU 2 dafür qualifiziert und im Programm vorgesehen ist. Eine Entnahme außerhalb der vereinbarten Struktur erfüllt die Anforderungen an Identitätssicherung und Kette des Verbleibs in der Regel nicht.

Ist eine Kapillarblutentnahme aus der Fingerbeere zulässig?

Für PEth ist neben EDTA-Blut auch Kapillarblut als Matrix beschrieben. Ob das Verfahren im konkreten Programm anerkannt wird, entscheidet die durchführende Stelle im Rahmen ihrer Akkreditierung.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Venenpunktion im Kontrollprogramm, Blutabnahme. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM (CTU 2 und CTU 3), Richtlinien der GTFCh, DIN EN ISO/IEC 17025.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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