LEXIKON

Stabilität

Stabilität bezeichnet in der Laboranalytik die Eigenschaft eines Analyten, in der Probe über Zeit, Temperatur und Transport hinweg unverändert zu bleiben. Sie entscheidet mit darüber, ob ein Befund die tatsächlichen Verhältnisse zum Zeitpunkt der Probenahme abbildet – oder nur noch das, was den Weg ins Labor überstanden hat.

Nicht zu verwechseln mit stabiler Abstinenz

Der Begriff wird im MPU-Umfeld doppelt verwendet. Diese Seite behandelt die analytische Stabilität der Probe. Die psychologische Bedeutung – die gefestigte, in das Gesamtverhalten integrierte Verhaltensänderung – steht unter stabile Abstinenz. Beide Fragen sind unabhängig voneinander, werden aber beide in der Begutachtung geprüft.

Vorgaben zu Lagerung und Aufbewahrung

Die Richtlinien der GTFCh regeln, wie Proben nach der Analyse zu halten sind. Hitze- und Lichteinfluss sind zu vermeiden. Blutproben werden unverzüglich tiefgefroren, mindestens bei minus 15 Grad Celsius; Körperflüssigkeiten sind grundsätzlich gekühlt zu halten.

Material Aufbewahrung
Proben allgemein nach Berichterstattung mindestens noch sechs Monate
Blutproben zwei Jahre
Empfehlung generell mindestens zwei Jahre

Diese Fristen sind der Grund, weshalb eine Rückstellprobe überhaupt sinnvoll ist: Sie muss zum Zeitpunkt einer möglichen Nachanalyse noch aussagekräftig sein.

Wo Stabilität praktisch eine Rolle spielt

Das bekannteste Beispiel betrifft die Alkoholmarker im Urin. Ethylsulfat wird durch bakterielle Aktivität im Urin weder gebildet noch abgebaut. Genau deshalb wird es parallel zu Ethylglucuronid bestimmt: Der zweite Marker sichert den ersten ab, wenn eine Probe mikrobiell belastet ist. Ein grob abweichendes Verhältnis der beiden Werte kann zudem auf eine exogene Quelle hindeuten.

Haar ist demgegenüber eine vergleichsweise robuste Matrix und muss nicht gekühlt werden. Die Einflüsse, die dort zählen, wirken vor der Entnahme: Bei permanenten Verfärbungsverfahren verbleiben nur etwa 18 Prozent des ursprünglichen EtG-Gehalts, bei einer Tönung 70 Prozent. Das ist kein Lagerungsproblem, sondern ein Frage der Haarkosmetik, die deklariert werden muss.

Stabilität als Teil der Kette

Analytisch gehört die Stabilitätsprüfung zur Validierung einer Methode. Organisatorisch ist sie Teil der Präanalytik und der Chain of Custody: Die Richtlinien verlangen bruchsichere, dicht verschlossene Verpackung, die Prüfung jeder eingehenden Probe auf Vollständigkeit und Unversehrtheit sowie die durchgehende Sicherung der Identität der Probe und ihrer Extrakte. Eine unversehrte, aber falsch gelagerte Probe nützt ebenso wenig wie eine korrekt gekühlte mit beschädigtem Siegel.

Häufige Fragen

Kann sich ein Befund durch lange Lagerung verändern?

Deshalb gibt es die Vorgaben zu Kühlung, Tiefkühlung und Lichtschutz. Werden sie eingehalten, bleibt das Material innerhalb der Aufbewahrungsfristen auswertbar. Ob eine Nachanalyse sinnvoll ist, beurteilt das Labor.

Wie lange wird meine Probe aufbewahrt?

Nach der Berichterstattung mindestens sechs Monate, Blutproben zwei Jahre; generell werden mindestens zwei Jahre empfohlen. Proben werden dabei niemals an die betroffene Person ausgehändigt.

Muss ich mich um Transport oder Kühlung kümmern?

Nein. Probentransport und Lagerung liegen vollständig bei der durchführenden Stelle und beim Labor. Das ist Teil der Anforderungen, die ein akkreditiertes Labor erfüllen muss.

Verwandte Begriffe

  • Probenstabilität – dieselbe Frage aus Sicht des Untersuchungsmaterials
  • Lagerung – die konkreten Bedingungen und Fristen
  • Asservierung – die geordnete Aufbewahrung für spätere Zwecke
  • Versiegelung – der Schutz vor Veränderung auf dem Transportweg
  • Entnahmematerial – Behältnisse und Zusätze, die Stabilität mitbestimmen

Synonyme: Analytstabilität, Probenhaltbarkeit. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh einschließlich Anhang C, DIN EN ISO/IEC 17025:2018, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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