LEXIKON

Entnahmematerial

Entnahmematerial ist die Gesamtheit der Gefäße, Verschlüsse, Etiketten und Hilfsmittel, mit denen eine Haar-, Urin- oder Blutprobe im Abstinenzkontrollprogramm gewonnen, verpackt und gesichert wird. Es entscheidet mit darüber, ob ein Befund später verwertbar ist. Fehler an dieser Stelle lassen sich später durch keine noch so gute Analytik heilen.

Was zu welcher Matrix gehört

Matrix Typisches Material
Haar Schere, Klammern zum Abteilen, Alufolie oder Papierumschlag, Markierung des kopfnahen Endes, Dokumentationsbogen zur Restlänge
Urin Sammelgefäß mit Temperaturmessstreifen, Primärgefäße mit Schraubverschluss, Siegeletiketten
Blut Röhrchen mit dem passenden Zusatz, für Phosphatidylethanol mit dem Gerinnungshemmer EDTA, sonst Serumröhrchen

Die Menge richtet sich nach dem Auftrag. Für die Haaranalytik werden Einwaagen von 10 bis 50 Milligramm genannt, für ein Cannabis-Screening mit anschließender Bestätigung 20 bis 200 Milligramm. Deshalb werden bei der Entnahme in der Praxis zwei Strähnen etwa von der Stärke eines Bleistifts abgenommen, nicht einzelne Haare.

Kennzeichnung, Versiegelung und Rückstellprobe

Jede Probe erhält einen laborinternen Code, das Gefäß wird bruchsicher und dicht verschlossen verpackt und versiegelt. Beim Haar wird zusätzlich das proximale, also kopfnahe Ende markiert und die verbliebene Restlänge dokumentiert – ohne diese Markierung ist eine Segmentanalyse nicht möglich, weil die zeitliche Zuordnung verloren geht. Eine unsegmentierte Rückstellprobe wird zurückbehalten, damit später eine Nachanalyse möglich bleibt. Proben werden dabei niemals an die kontrollierte Person ausgehändigt; Zweit- und Nachanalysen organisiert ausschließlich die durchführende Stelle.

Die Kette des Verbleibs beginnt am Material

Nach den Richtlinien der GTFCh sind alle Aufträge und Proben zu registrieren, auf Vollständigkeit und Unversehrtheit zu prüfen und durchgehend identifizierbar zu halten – einschließlich der im Labor daraus gewonnenen Extrakte. Die Dokumentation muss die beteiligten Personen ausweisen, bei Überführungen gilt das protokollierte Vier-Augen-Prinzip. Ein beschädigtes Siegel, ein unleserliches Etikett oder ein falsch befülltes Röhrchen führt dazu, dass die Probe verworfen wird.

Lagerung nach der Entnahme

Haarproben werden trocken, licht- und hitzegeschützt aufbewahrt und sind vergleichsweise robust. Körperflüssigkeiten werden grundsätzlich gekühlt, Blutproben unverzüglich tiefgefroren bei mindestens minus 15 Grad Celsius. Nach der Berichterstattung ist die Probe mindestens sechs weitere Monate aufzubewahren, Blutproben zwei Jahre; generell werden mindestens zwei Jahre empfohlen.

Häufige Fragen

Darf ich eigenes Material mitbringen?

Nein. Das Material stellt die durchführende Stelle, weil nur so Herkunft, Unversehrtheit und Kennzeichnung nachvollziehbar bleiben. Mitgebrachte Gefäße würden die Kette des Verbleibs von Anfang an unterbrechen.

Warum wird Haar in Folie oder Papier verpackt und nicht in Plastik?

Entscheidend ist, dass die Probe trocken bleibt und die Orientierung des Strähnchens erhalten wird. Feuchtigkeitsstau und ein Verlust der Endmarkierung sind die praktisch relevanten Risiken.

Was passiert mit dem Rest der Probe?

Er wird als Rückstellprobe asserviert und für einen definierten Zeitraum aufbewahrt. Eine Nachanalyse kann daraus beauftragt werden, allerdings nur über die durchführende Stelle.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Probenahmematerial, Entnahmeset. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, insbesondere CTU 2 und CTU 3; Richtlinien der GTFCh zur Qualitätssicherung und zur Kette des Verbleibs.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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