LEXIKON

Pregabalin

Pregabalin ist ein verschreibungspflichtiger Arzneistoff (früher: Medikament), der in der Neurologie und Schmerzmedizin eingesetzt wird und für den das Konsenspapier der Society of Hair Testing von 2021 keinen eigenen Cut-off nennt. Für Abstinenzkontrollprogramme ist das doppelt bedeutsam: Pregabalin wird von den üblichen gruppenbezogenen Screenings nicht erfasst und muss gezielt bestimmt werden, wenn die behördliche Fragestellung es verlangt. Eine bestehende Verordnung ist vor Programmbeginn offenzulegen.

Kein konsentierter Grenzwert – und was stattdessen greift

Das Konsenspapier 2021 der Society of Hair Testing legt Entscheidungsgrenzen für die klassischen Betäubungsmittelgruppen fest. Pregabalin gehört nicht dazu. Es existiert also kein international konsentierter Cut-off für diesen Wirkstoff, weder im Haar noch im Urin. Wer im Netz auf eine konkrete Pregabalin-Grenze stößt, sollte deren Quelle prüfen: Es handelt sich dann um eine Laborangabe, nicht um einen Konsenswert.

Fehlt ein Cut-off, tritt an seine Stelle die laborintern validierte Bestimmungsgrenze. Diese muss nach den Anforderungen der GTFCh ermittelt und dokumentiert sein: Das Labor weist über eine Validierung nach, ab welcher Konzentration es den Stoff mit definierter Präzision und Richtigkeit quantifizieren kann, und benennt diesen Wert im Befund. Das ist fachlich sauber, hat aber eine Konsequenz, die viele überrascht: Zwei Labore können dieselbe Probe mit unterschiedlichen Bestimmungsgrenzen bearbeiten und deshalb zu unterschiedlichen Aussagen kommen, ohne dass eines von beiden falsch arbeitet.

Warum Standard-Screenings Pregabalin nicht anzeigen

Ein Immunoassay arbeitet klassenbezogen: Ein Antikörper ist auf eine bestimmte Molekülform kalibriert und erkennt Substanzen, die dieser Form ähneln. Pregabalin gehört keiner der Stoffklassen an, auf die die üblichen Panels ausgerichtet sind – nicht den Amphetaminen, nicht den Opiaten, nicht den Cannabinoiden. Folglich schlägt kein Standard-Screening an, auch wenn der Stoff in der Probe vorhanden ist.

Das ist kein Analysenfehler, sondern eine Eigenschaft des Verfahrens. Ein vollständig negatives Drogenscreening besagt daher nicht, dass die Probe frei von Pregabalin war. Nachgewiesen werden kann der Stoff nur über ein gezielt dafür eingerichtetes massenspektrometrisches Verfahren, in der Regel LC-MS/MS. Ein solches Verfahren entsteht nicht nebenbei: Es braucht einen Referenzstandard, eine eigene Methodenvalidierung und die Aufnahme in den Akkreditierungsumfang.

Wer festlegt, worauf überhaupt untersucht wird

Dies ist der Kern des Themas und der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen. Welche Substanzen ein Labor bestimmt, entscheidet nicht das Labor spontan von Fall zu Fall. Maßgeblich sind zwei Vorgaben: die Fragestellung der Behörde und das vertraglich vereinbarte Analysenspektrum des Kontrollprogramms. Beides wird vor Programmbeginn festgelegt und im Laborauftrag abgebildet.

Steht Pregabalin nicht in diesem Spektrum, wird es auch nicht gesucht – und ein Befund dazu kann nicht nachträglich aus einer bereits abgeschlossenen Analyse hervorgehen. Umgekehrt kann die Behörde die Fragestellung so fassen, dass verordnungspflichtige psychoaktiv wirkende Arzneistoffe ausdrücklich einbezogen sind. Wer wissen will, was im eigenen Programm untersucht wird, findet das in der Vertragsunterlage und nicht in allgemeinen Internetlisten. Die Nachweisstrategie ergibt sich aus dieser Vorgabe, nicht aus dem technisch Machbaren.

Was CTU 3 dem Labor abverlangt

Die Anforderungen an die toxikologische Analyse in CTU 3 der Beurteilungskriterien verlangen, dass alle für die Fragestellung relevanten Stoffgruppen erfasst werden. Ein Programm darf also nicht dadurch lückenhaft werden, dass ein einschlägiger Stoff schlicht nicht im Panel steht. Hinzu kommen die Akkreditierung nach DIN EN ISO/IEC 17025 für forensische Zwecke, die Einhaltung der GTFCh-Standards und die Dokumentation der verwendeten Bestimmungsgrenzen.

Wird das Panel im laufenden Programm erweitert, ist das eine Methodenänderung mit eigenem Validierungs- und Dokumentationsaufwand. Auch das erklärt, warum Analysenspektren nicht kurzfristig und nicht auf Zuruf verändert werden.

Verordnetes Pregabalin im Abstinenzprogramm

Besteht eine ärztliche Verordnung, gilt eine klare Reihenfolge: Offenlegung vor Programmbeginn und erneut bei jeder Änderung, jeweils mit dem Wirkstoffnamen. Ein Befund, der auf eine offengelegte Verordnung zurückgeht, ist etwas anderes als ein Konsumbefund – die Bewertung dieses Unterschieds nimmt jedoch die Begutachtungsstelle vor, nicht das Labor und nicht die betroffene Person.

Rechtlich einschlägig sind Anlage 4 Nr. 9.4 FeV, wonach die missbräuchliche Einnahme psychoaktiv wirkender Arzneistoffe der Fahreignung entgegensteht, und Anlage 4 Nr. 9.6 FeV zur Dauerbehandlung mit Arzneistoffen, wenn diese zu Leistungsbeeinträchtigungen führt. Beides zielt nicht auf die Verordnung als solche, sondern auf ihre Wirkung und ihren sachgerechten Gebrauch. Fragen zur Behandlung selbst gehören ausschließlich in die Hand der behandelnden ärztlichen Person; Hinweise zur Anwendung oder zum Beenden einer Therapie geben weder Labor noch Kontrollstelle. Weitere Einzelheiten zum Verfahren finden sich unter Arzneimittelverordnung.

Häufige Fragen

Wird Pregabalin bei einer MPU-Abstinenzkontrolle gefunden?

Nur dann, wenn es ausdrücklich Teil des vereinbarten Analysenspektrums ist. Die gruppenbezogenen Standard-Screenings erfassen Pregabalin nicht, weil es keiner der abgedeckten Stoffklassen angehört. Ein gezieltes massenspektrometrisches Verfahren ist erforderlich.

Gibt es einen Grenzwert für Pregabalin im Haar?

Das Konsenspapier 2021 der Society of Hair Testing führt keinen. An seine Stelle tritt die laborintern validierte Bestimmungsgrenze nach den Anforderungen der GTFCh, die im Befund benannt werden muss. Konkrete Zahlenwerte sind daher laborabhängig und nicht allgemeingültig.

Muss ich eine Pregabalin-Verordnung melden, wenn es kein Betäubungsmittel ist?

Ja. Maßgeblich ist nicht die betäubungsmittelrechtliche Einordnung, sondern dass es sich um einen psychoaktiv wirkenden Arzneistoff handelt. Die Offenlegung erfolgt vor Programmbeginn und bei jeder Änderung, damit ein späterer Befund überhaupt sachgerecht eingeordnet werden kann.

Kann ich verlangen, dass Pregabalin mitgetestet wird?

Das Analysenspektrum richtet sich nach der Fragestellung der Behörde und dem geschlossenen Vertrag, nicht nach einem Wünschen im Einzelfall. Änderungen sind mit der durchführenden Stelle zu klären und bedeuten für das Labor eine dokumentationspflichtige Methodenänderung.

Verwandte Begriffe

Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Betäubungsmitteln (2021), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM mit den CTU-Kriterien, Richtlinien und Anhang C der GTFCh, DIN EN ISO/IEC 17025, Fahrerlaubnis-Verordnung mit Anlage 4.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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