LEXIKON

Analyt

Ein Analyt ist der Stoff, der in einer Probe tatsächlich gemessen wird. Die Wahl des Analyten entscheidet darüber, was ein Befund beweisen kann – und sie ist damit die stillste, aber folgenreichste Weichenstellung der gesamten Abstinenzkontrolle.

Analyt, Zielsubstanz und Metabolit

Gemessen wird nicht immer die Substanz, um die es geht. Häufig ist der Analyt ein Metabolit, also ein Abbauprodukt, weil dieses stabiler, länger nachweisbar oder aussagekräftiger ist. Für Alkohol wird deshalb nicht Ethanol bestimmt, sondern Ethylglucuronid; für Cannabis im Haar wird nach den Empfehlungen der DGVM direkt auf die THC-Carbonsäure geprüft, weil ein isolierter THC-Befund auch durch Kontamination entstehen kann. Beide Beispiele zeigen dasselbe: Der Analyt wird danach ausgewählt, welche Frage er beantworten soll.

Analyten, die eine Ursache beweisen

Manche Analyten können mehr als nur Anwesenheit anzeigen – sie grenzen Ursachen voneinander ab.

Analyt Was er unterscheidet
6-Monoacetylmorphin Heroin gegenüber Codein und Morphin
Cocaethylen gleichzeitigen Kokain- und Alkoholkonsum
Levamisol Hinweis auf Straßenkokain durch Streckmittel
Ethylsulfat sichert einen EtG-Urinbefund gegen bakterielle Einflüsse ab
EDDP schließt im Methadonprogramm eine Zudosierung in den Urin aus

Zur Bestätigung eines Kokainkonsums sieht das Konsenspapier 2021 zudem vor, Benzoylecgonin, Norkokain, Cocaethylen, Hydroxycocaine oder Hydroxybenzoylecgonin heranzuziehen; für Crack kommt Anhydroecgoninmethylester hinzu.

Jeder Analyt braucht seine eigene Grundlage

Ein Analyt existiert für ein Labor erst dann, wenn dafür eine validierte Methode vorliegt. Dazu gehören ein Referenzstandard, eine bestimmte Nachweisgrenze und eine Bestimmungsgrenze sowie der Nachweis ausreichender Selektivität gegenüber Matrix und Begleitsubstanzen. Wo das Konsenspapier 2021 keinen Cut-off nennt – etwa für Benzoylecgonin, Cocaethylen, EDDP, Norbuprenorphin oder Benzodiazepine –, tritt die laborintern validierte Bestimmungsgrenze nach den Richtlinien der GTFCh an diese Stelle. Für die THC-Carbonsäure ist ausdrücklich kein Cut-off, sondern eine geforderte Mindest-Bestimmungsgrenze von 0,2 pg/mg vorgesehen.

Warum der Analytumfang vorab feststehen muss

Was nicht beauftragt ist, wird nicht gefunden. Bei reiner Cannabisfragestellung kann die Untersuchung auf Cannabinoide beschränkt werden; ein polytoxikologisches Screening ist nur bei einer Vorgeschichte mit anderen Drogen vorgesehen. Umgekehrt bleibt eine Substanz außerhalb des beauftragten Profils unsichtbar, auch wenn sie vorhanden war. Der Laborauftrag ist deshalb kein Formalakt.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Analyt und Parameter?

Analyt bezeichnet den konkret gemessenen Stoff, Parameter wird oft weiter gefasst und schließt abgeleitete Größen wie Verhältnisse oder Indizes ein. In Befundberichten werden beide Begriffe nicht immer trennscharf verwendet.

Kann ein Labor nachträglich weitere Analyten bestimmen?

Das hängt von der Rückstellprobe und vom Akkreditierungsumfang ab. Proben werden nach Berichterstattung mindestens noch sechs Monate aufbewahrt, Blutproben zwei Jahre. Beauftragt wird eine Nachbestimmung ausschließlich über die durchführende Stelle.

Warum steht im Befund ein anderer Stoff als erwartet?

Weil der aussagekräftigere Metabolit gemessen wird. Das ist der Regelfall und kein Fehler; der Befundbericht sollte die untersuchten Analyten mitsamt ihren Grenzen ausweisen.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Zielanalyt, Messgröße, untersuchter Parameter. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh, Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar (2021), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM) mit den CTU-Kriterien.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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