LEXIKON

Metabolit

Ein Metabolit ist ein Stoffwechselprodukt: eine Verbindung, die im Körper aus einer aufgenommenen Substanz entsteht. Für die Abstinenzanalytik ist das entscheidend, weil ein Metabolit belegt, dass ein Stoff tatsächlich verstoffwechselt wurde – und damit den Konsum von einer äußeren Anhaftung unterscheidet.

Die wichtigsten Beispiele

Ausgangsstoff Metabolit Aussage
Ethanol Ethylglucuronid, Ethylsulfat direkte Alkoholmarker in Haar und Urin
Heroin 6-Monoacetylmorphin grenzt Heroin von Codein und Morphin ab
Kokain Benzoylecgonin, Norkokain, Cocaethylen bestätigen den Konsum
THC THC-Carbonsäure stützt die Aufnahme von THC nachdrücklich
Methadon EDDP schließt eine Zugabe in die Probe aus

Warum Metaboliten Kontamination entlarven

Substanzen können von außen ins Haar gelangen, etwa über Rauch, Handkontakt oder Sebum. Ein Metabolit kann das nicht – er entsteht nur im Körper. Bei Cannabis ist dieser Zusammenhang besonders gut untersucht: Nach kosmetischer Hanfölanwendung fand sich bei 89 % der Probanden mindestens ein Cannabinoid im Haar, THC-Carbonsäure jedoch bei keinem. Die Konstellation „Cannabinoide ohne THC-Carbonsäure“ spricht daher für externe Kontamination. Umgekehrt ist zu beachten, dass THC-Carbonsäure über Schweiß und Sebum auch in Haarabschnitte gelangen kann, die vor einer Einnahme gewachsen sind – die zeitliche Zuordnung ist also nicht beliebig scharf.

Kein Verhältnis als Beweis

Das Konsenspapier der Society of Hair Testing nennt ausdrücklich keine numerischen Verhältniskriterien zwischen Substanz und Metabolit, insbesondere keine Grenze für das Verhältnis von THC zu THC-Carbonsäure. Kursierende Zahlenwerte dazu sind nicht belegt. Auch die Bundesanstalt für Straßenwesen hält fest, dass sich aus Cannabinoidkonzentrationen keine konkreten Grenzwerte für Abhängigkeit oder riskantes Konsummuster ableiten lassen. Analytisch anspruchsvoll ist die THC-Carbonsäure ohnehin: Gefordert ist eine Bestimmungsgrenze von 0,2 pg/mg, rund 250-fach unter dem THC-Cut-off von 50 pg/mg.

Was Betroffene daraus mitnehmen sollten

Praktisch folgt aus der Metabolitenlogik dreierlei. Erstens: Ein Befund, der nur die Ausgangssubstanz und keinen Metaboliten zeigt, ist erklärungsbedürftig – und diese Erklärung kann zugunsten der betroffenen Person ausfallen, wenn eine Kontaminationsquelle plausibel dargelegt wird. Zweitens: Wer solche Quellen kennt, sollte sie vorher nennen, etwa hanfhaltige Pflegeprodukte oder den engen Kontakt zu konsumierenden Personen. Drittens: Ein Metabolitennachweis lässt sich nicht durch Zeitablauf allein aus der Welt schaffen, weil er im Haar über Monate erhalten bleibt – bei Betäubungsmitteln werden bis zu sechs Zentimeter und damit sechs Monate ausgewertet. Wichtig bleibt dabei: Diese Zusammenhänge werden hier erklärt, damit Störquellen gemieden und offengelegt werden, nicht um einen Nachweis zu umgehen.

Häufige Fragen

Warum wird bei Cannabis direkt auf den Metaboliten geprüft?

Weil Passivexposition und äußere Anhaftung zugenommen haben. Die DGVM empfiehlt deshalb, in Haaren unmittelbar auf THC-Carbonsäure zu prüfen statt auf THC allein.

Ist ein Metabolit immer nachweisbar?

Nein. Manche Metaboliten lagern sich nur in sehr geringem Maß ins Haar ein, was besonders empfindliche Verfahren erfordert. Ein fehlender Metabolitennachweis widerlegt einen Konsum daher nicht automatisch.

Gibt es Metaboliten mit eigenem Cut-off?

Teilweise. Für Benzoylecgonin, Cocaethylen, EDDP und Norbuprenorphin nennt das Konsenspapier ausdrücklich keine eigenen Haar-Cut-offs; ergänzende Werte finden sich in nationalen Richtlinien.

Verwandte Begriffe

Auch Stoffwechselprodukt oder Abbauprodukt. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Richtlinien der GTFCh, FAQ der DGVM zu Cannabisbelegen, Infoblatt der Bundesanstalt für Straßenwesen zu Cannabis sowie publizierte Untersuchungen zur Haarkontamination.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

← Zurück zum Lexikon (Buchstabe M)

Betrifft Sie das konkret?

Dieser Artikel erklärt einen Fachbegriff — er ersetzt kein Gespräch über Ihren Fall.

Wenn Sie wissen wollen, was das für Ihre Haaranalyse oder Ihren Abstinenznachweis bedeutet: Rufen Sie an oder nutzen Sie das Kontaktformular.