LEXIKON

Ringversuch

Ein Ringversuch ist ein externer Vergleich, bei dem mehrere Labore dieselbe Probe unabhängig voneinander analysieren und ihre Ergebnisse anschließend gegenübergestellt werden. Der wahre Gehalt der Probe ist den Teilnehmenden dabei nicht bekannt. Aus der Streuung der eingesandten Werte lässt sich ablesen, ob ein Labor mit den anderen übereinstimmt oder systematisch daneben liegt – eine Aussage, die kein Labor über sich selbst treffen kann.

Wie ein Ringversuch abläuft

Ein Anbieter von Eignungsprüfungen stellt eine Probe her, deren Gehalt bekannt und homogen ist, und verschickt Teilmengen davon an alle teilnehmenden Labore. Jedes Labor bearbeitet die Probe mit seinen eigenen Routineverfahren, so wie es einen echten Fall bearbeiten würde, und meldet sein Ergebnis zurück. Der Anbieter wertet aus und teilt jedem Labor mit, wie sein Wert im Verhältnis zum Sollwert und zur Gesamtheit der Teilnehmenden liegt.

Wichtig ist die Blindheit der Aufgabe. Ein Labor kann sein Ergebnis nicht am erwarteten Wert ausrichten, weil es diesen Wert nicht kennt. Erst dadurch ist die Aussage belastbar: Sie beruht nicht auf einer Selbsteinschätzung, sondern auf einer Prüfung von außen, deren Maßstab unabhängig festgelegt wurde.

Was die Streuung der Ergebnisse verrät

Zwei Arten von Abweichung lassen sich unterscheiden. Eine zufällige Abweichung streut um den richtigen Wert und ist in jeder Messung unvermeidlich. Eine systematische Abweichung dagegen zieht alle Ergebnisse eines Labors in dieselbe Richtung – das Labor liegt regelmäßig zu hoch oder zu tief.

Systematische Fehler sind die gefährlicheren, weil sie intern kaum auffallen. Ein Labor, das durchgehend um denselben Faktor zu hoch bestimmt, erhält in seinen eigenen Wiederholungsmessungen sehr gut übereinstimmende Werte und wirkt damit besonders zuverlässig. Erst der Vergleich mit anderen Laboren an derselben Probe deckt die Verschiebung auf. Ursachen können eine fehlerhafte Kalibrierung, ein unvollständiger Extraktionsschritt oder ein ungeeigneter Referenzstandard sein.

Ringversuch oder interne Kontrollprobe? Der Unterschied

Beide Verfahren gehören zur Qualitätssicherung, beantworten aber verschiedene Fragen. Sie ersetzen sich nicht:

Ringversuch Interne Qualitätskontrolle
Maßstab Andere Labore und ein externer Sollwert Das eigene Labor im Zeitverlauf
Beantwortet Liegen wir richtig? Arbeiten wir gleichmäßig?
Häufigkeit In festen Abständen In jeder Analysenserie
Deckt auf Systematische Verschiebungen Ausreißer, Drift, Störungen im Lauf

Die interne Kontrolle läuft mit Kontrollproben bekannten Gehalts in jeder Serie mit und schlägt sofort an, wenn etwas aus dem Ruder läuft; sie kann aber eine dauerhafte Verschiebung des eigenen Maßstabs nicht erkennen. Der Ringversuch erkennt genau diese Verschiebung, liefert aber nur eine Momentaufnahme. Ausführlich zur laborinternen Seite unter interne Qualitätskontrolle, zur Streuung von Wiederholungsmessungen unter Wiederholpräzision.

Woher die plus/minus 30 Prozent in der Haaranalytik kommen

Ringversuche sind nicht nur Kontrolle, sie sind auch Datenquelle. Die GTFCh schätzt die Messunsicherheit eines Verfahrens aus zwei Bestandteilen: aus Ringversuchsdaten und aus der Laborpräzision, die anhand von Kontrollproben ermittelt wird. Die Unsicherheit ist also keine geschätzte Größe nach Gefühl, sondern eine aus Messdaten abgeleitete Kennzahl.

Für die Haaranalytik ist auf dieser Grundlage eine Messunsicherheit von rund plus/minus 30 Prozent harmonisiert. Das ist keine Schwäche des Verfahrens, sondern eine ehrliche Angabe: Haare enthalten die gesuchten Stoffe in sehr geringen Mengen, das Material ist biologisch variabel, und die Aufarbeitung umfasst mehrere Schritte. Bei Entscheidungen an einer Grenze ist diese Unsicherheit zugunsten der betroffenen Person zu berücksichtigen – ein Aspekt, der unter Cut-off genauer beschrieben ist.

Warum die Akkreditierungsnorm die Teilnahme verlangt

Die DIN EN ISO/IEC 17025 nennt die Teilnahme an Eignungsprüfungen und Ringversuchen ausdrücklich als Mittel zur laufenden Überwachung der Validität von Ergebnissen. Sie ist damit keine freiwillige Zusatzleistung, sondern Bestandteil dessen, was bei einer Akkreditierung geprüft wird.

Das ergibt fachlich Sinn, weil eine einmalige Validierung nur den Zustand bei Einführung eines Verfahrens beschreibt. Geräte altern, Chargen von Reagenzien wechseln, Personal wechselt. Ohne wiederkehrende externe Prüfung würde niemand bemerken, wenn sich der Maßstab über Jahre langsam verschiebt.

Was das für Betroffene bedeutet

Aus Sicht einer Person in einem Abstinenzkontrollprogramm ist der Ringversuch der Grund, warum ein Laborwert einen anderen Rang hat als ein selbst gekaufter Schnelltest. Der Wert des Labors ist eingebettet: Das Verfahren war vor dem Einsatz validiert, es läuft in jeder Serie gegen Kontrollproben, und das Labor muss sich in festen Abständen gegen andere Labore messen lassen. Beim Selbsttest fehlt dieser ganze Rahmen – es gibt keine Kontrollprobe, keinen externen Vergleich und keine Unsicherheitsangabe.

Praktisch folgt daraus zweierlei. Erstens ist ein zu Hause erzieltes Ergebnis kein Argument gegen einen Laborbefund; es kann ihn weder bestätigen noch widerlegen. Zweitens sind Selbsttests nach den CTU-Kriterien ohnehin kein Beleg, weil bei ihnen weder Identität noch Kette des Verbleibs gesichert sind. Wer Zweifel an einem Befund hat, kommt nur über die durchführende Stelle und eine Nachuntersuchung der Rückstellprobe weiter.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Ringversuch und Eignungsprüfung?

Die Begriffe werden weitgehend gleichbedeutend verwendet. „Eignungsprüfung“ betont die Bewertung der Kompetenz eines einzelnen Labors, „Ringversuch“ den Vergleich mehrerer Labore an derselben Probe; die Akkreditierungsnorm nennt beide Formen als Überwachungsmittel.

Erfährt man als Betroffener, wie sein Labor abgeschnitten hat?

Nicht im Befund. Die Ergebnisse der Eignungsprüfungen sind Teil des Qualitätsmanagements und werden im Rahmen der Akkreditierung begutachtet. Die Tatsache der Teilnahme ist aber eine sinnvolle Nachfrage bei der Auswahl einer durchführenden Stelle.

Bedeutet plus/minus 30 Prozent, dass ein Wert unbrauchbar ist?

Nein. Es bedeutet, dass ein Wert als Bereich zu lesen ist und nicht als exakte Zahl. Genau deshalb wird die Unsicherheit bei Entscheidungen an einer Grenze zugunsten der betroffenen Person berücksichtigt, statt einen Wert punktgenau abzulesen.

Warum weichen zwei Labore bei derselben Probe voneinander ab?

Weil jede Messung eine Streuung hat und beide Labore unterschiedliche Aufarbeitungen und Geräte verwenden. Solange die Abweichung im Rahmen der harmonisierten Messunsicherheit bleibt, stimmen die Ergebnisse fachlich überein.

Verwandte Begriffe

  • Interne Qualitätskontrolle – das laborinterne Gegenstück mit Kontrollproben in jeder Serie
  • Messunsicherheit – die Kennzahl, die unter anderem aus Ringversuchsdaten abgeleitet wird
  • Akkreditierung – das Verfahren, in dem die Teilnahme nachzuweisen ist
  • Validierung – der einmalige Leistungsnachweis, den der Ringversuch fortlaufend ergänzt
  • Qualitätssicherung – der Rahmen, in dem interne und externe Kontrolle zusammenwirken
  • Laborbefund – das Dokument, dessen Belastbarkeit auf diesem Rahmen aufbaut

Synonyme: Eignungsprüfung, externe Qualitätskontrolle, Laborvergleichsuntersuchung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh zur Qualitätssicherung bei forensisch-toxikologischen Untersuchungen, DIN EN ISO/IEC 17025:2018, harmonisierte Vorgaben zur Messunsicherheit in der Haaranalytik.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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