LEXIKON
Carbohydrate-Deficient Transferrin (CDT) ist ein indirekter Alkoholmarker im Blut: ein Eisentransportprotein, dessen Zuckerseitenketten unter länger dauerndem, hohem Alkoholkonsum unvollständig bleiben. Angegeben wird der Anteil am Gesamttransferrin in Prozent, mit einem Normbereich unter 1,75 % und einem pathologischen Bereich über 2,50 %. CDT zeigt chronisch erhöhten Konsum an – ein Abstinenznachweis ist es ausdrücklich nicht.
Transferrin transportiert Eisen im Blut. Normalerweise trägt es mehrere Zuckerseitenketten, die bei der Bildung in der Leber angehängt werden. Bei anhaltend hohem Alkoholkonsum ist dieser Anbau gestört, sodass der Anteil zuckerarmer Formen – vor allem der asialo- und disialo-Varianten – steigt. Genau dieser Anteil wird gemessen und als CDT-Wert in Prozent des Gesamttransferrins ausgewiesen. Bestimmt wird er in einer Blutprobe, in der Regel chromatographisch oder kapillarelektrophoretisch.
Weil der Marker eine Reaktion des Körpers und nicht den Stoff selbst abbildet, gehört CDT zu den indirekten Alkoholmarkern. Direkte Marker wie Ethylglucuronid oder Phosphatidylethanol entstehen dagegen unmittelbar aus dem getrunkenen Alkohol. Dieser Unterschied entscheidet darüber, was ein Befund belegen kann und was nicht.
| CDT-Wert | Einordnung |
|---|---|
| unter 1,75 % | Normalbereich |
| 1,75 bis 2,50 % | Kontroll- beziehungsweise Graubereich |
| über 2,50 % | pathologisch |
Der Graubereich ist keine Verlegenheitslösung, sondern trifft eine wichtige Aussage: Ein Wert zwischen 1,75 und 2,50 % ist erklärungsbedürftig, aber für sich genommen kein Beweis für problematischen Konsum. Er führt typischerweise zu einer Kontrolle im Verlauf und zu einer Gesamtschau mit anderen Laborwerten, der Aktenlage und dem Gespräch. Erst oberhalb von 2,50 % gilt der Befund als pathologisch.
CDT reagiert nicht auf einzelne Trinkanlässe. Ein Anstieg tritt erst ab einer Aufnahme von mehr als etwa 60 g Ethanol pro Tag über einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen auf. Ein einzelner Abend, auch ein exzessiver, hinterlässt im CDT-Wert nichts. Umgekehrt bedeutet ein normaler CDT-Wert nicht, dass nicht getrunken wurde – er bedeutet lediglich, dass die genannte Schwelle nicht über Wochen überschritten wurde.
Diese Schwelle taucht in der Alkoholdiagnostik an mehreren Stellen auf. Auch die Definition chronisch exzessiven Konsums bei der Haaranalyse arbeitet mit einem durchschnittlichen Konsum von 60 g reinem Ethanol pro Tag oder mehr über mehrere Monate. Wer die Trinkmenge im Bereich eines Risikokonsums darunter hält, wird von CDT nicht erfasst.
Hier weicht die Literatur voneinander ab, und das sollte man offen benennen. Verbreitet ist die Angabe einer Halbwertszeit von 14 Tagen; eine andere Quelle nennt 2 bis 4 Wochen. Der Widerspruch ist nicht aufgelöst. Wer eine der beiden Zahlen liest, sollte sie deshalb als Orientierung und nicht als exakte Rechengröße verstehen.
Einigkeit besteht dagegen bei der praktischen Konsequenz: Nach Beginn einer Abstinenz normalisiert sich ein erhöhter CDT-Wert in etwa 2 bis 3 Wochen. Eine Normalisierung in diesem Zeitraum ist damit ein Hinweis auf eine Verhaltensänderung, aber kein Beleg für durchgehende Alkoholfreiheit im gesamten geforderten Zeitraum.
Ein Abstinenzbeleg muss lückenlos einen definierten Zeitraum abdecken und Konsum auch in geringem Umfang auffallen lassen. Beides kann CDT nicht leisten: Der Marker spricht erst bei hohem Konsum über Wochen an und bildet keinen zusammenhängenden Zeitraum ab. Deshalb wird ein Abstinenznachweis in einem Abstinenzkontrollprogramm ausschließlich über direkte Marker geführt, also über EtG im Urin oder im Haar beziehungsweise PEth im Blut.
Was CDT beitragen kann, ist etwas anderes: einen Hinweis darauf, ob in der Vorgeschichte chronisch erhöhter Konsum vorlag. In der medizinisch-psychologischen Untersuchung wird ein pathologischer Wert deshalb zusammen mit GGT, MCV und den Transaminasen betrachtet und mit den Angaben zum Trinkmuster abgeglichen. Widersprüche zwischen Laborwerten und Selbstauskunft sind ein eigenständiges Thema der Begutachtung.
CDT gilt als der spezifischere der klassischen indirekten Marker, ist aber nicht unbeeinflussbar. Als Störgrößen gelten fachlich vor allem seltene genetische Transferrinvarianten sowie schwere Lebererkrankungen, bei denen die Proteinbildung insgesamt verändert ist. Auch Störungen des Eisenstoffwechsels können die Interpretation erschweren. Deshalb ist ein isolierter Wert ohne Kenntnis der Vorgeschichte und der übrigen Leberwerte nur begrenzt aussagekräftig, und deshalb gehört die Bewertung in die Hand einer sachverständigen Interpretation.
Nein. CDT ist kein Abstinenznachweis, weil der Marker erst ab etwa 60 g Ethanol täglich über 2 bis 4 Wochen ansteigt und kein durchgehendes Zeitfenster abbildet. Für einen Beleg werden direkte Marker in einem geregelten Programm benötigt.
Nach Beginn einer Abstinenz normalisiert sich der Wert in etwa 2 bis 3 Wochen. Zur Halbwertszeit selbst gibt es widersprüchliche Angaben: 14 Tage in der einen, 2 bis 4 Wochen in einer anderen Quelle.
Er liegt im Kontroll- oder Graubereich zwischen 1,75 und 2,50 %. Ein solcher Wert ist auffallend, aber kein Beweis für problematischen Konsum; er führt in der Regel zu einer Verlaufskontrolle und zur Bewertung im Zusammenhang mit weiteren Befunden.
CDT gilt als spezifischer für Alkohol als GGT, das durch zahlreiche andere Ursachen erhöht sein kann. Beide bleiben jedoch indirekte Marker und können einen Abstinenznachweis nicht ersetzen.
Synonyme und Schreibweisen: Carbohydrate-Deficient Transferrin, CDT, kohlenhydratdefizientes Transferrin, desialyliertes Transferrin. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt (Stand 1. Juni 2022), Richtlinien der GTFCh.
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