LEXIKON
Riskanter Cannabiskonsum ist in der 5. Auflage der Beurteilungskriterien ein eigenes Kriterium: D 3.1 K beschreibt den riskanten Cannabismonokonsum anhand von 16 Indikatoren in fünf Gruppen. Gemeint ist ein Konsummuster, das die Fahreignung gefährdet, ohne dass bereits eine Abhängigkeit oder eine fortgeschrittene Problematik vorliegen muss.
D 3.1 K gehört zur Hypothese D3, der Drogengefährdung. Diese liegt unterhalb von D1 (Abhängigkeit) und D2 (fortgeschrittene Problematik) und knüpft an den riskanten Konsum im Sinne der ICD-10-Kodierung F1x.81 an. Eine bereits eingetretene körperliche oder psychische Schädigung ist ausdrücklich keine Voraussetzung – es genügt ein Muster, das eine Gefährdung erkennen lässt. Das Kriterium betrifft den Monokonsum; kommen andere Substanzen hinzu, greift D 3.2 K. Die übergeordnete Systematik erläutert der Eintrag Hypothese D.
| Gruppe | Indikatoren | Worum es geht |
|---|---|---|
| Toleranz und Verträglichkeit | 1 bis 3 | Dosissteigerung, Depotbildung, erhöhte Wahrnehmungsschwelle |
| Konsummuster | 4 bis 6 | Frequenz, wöchentlicher Konsum, Binge-Konsum |
| Konsum-Settings | 7 bis 9 | Rahmen und Umfeld des Konsums |
| Entlastungsmotive | 10 und 11 | funktionaler Konsum, etwa zur Stressbewältigung |
| Konsum-Fahr-Konflikte | 12 bis 16 | Verhalten an der Schnittstelle zwischen Konsum und Fahren |
In der ersten Gruppe steht neben der Dosissteigerung und einer erhöhten Wahrnehmungsschwelle die Depotbildung. Sie wird über die THC-Carbonsäure im Blutserum beschrieben: Ein Wert ab 75 ng/ml gilt als Indikator für häufigen Konsum, ein Wert ab 150 ng/ml als Indikator für regelmäßigen Konsum, wobei sich die 5. Auflage insoweit auf obergerichtliche Rechtsprechung stützt.
Diese beiden Zahlen sind Indikatoren innerhalb eines mehrgliedrigen Kriterienkatalogs, nicht mehr und nicht weniger. Sie sind keine gesetzlichen Grenzwerte, keine analytischen Cut-offs und keine Beweisregeln. Wer einen dieser Werte erreicht, hat nicht automatisch ein erfülltes Kriterium; wer darunter bleibt, hat es nicht automatisch widerlegt. Beurteilt wird das Zusammenspiel aller 16 Indikatoren mit den Angaben zur eigenen Konsumgeschichte.
Die zweite Gruppe stellt auf das Muster ab. Als Indikator gilt eine Konsumfrequenz von mehr als zweimal pro Woche, weil ab dieser Dichte eine Kumulation im Körper möglich wird: Die Abbauprodukte werden nicht vollständig ausgeschieden, bevor die nächste Konsumeinheit folgt. Hinzu kommen der regelmäßige wöchentliche Konsum und der Binge-Konsum, also die geballte Aufnahme großer Mengen in kurzer Zeit.
Genau an diesem Punkt unterscheidet sich D 3.1 K vom moderaten Cannabiskonsum nach D 3.5 N, der auf isolierte Konsumeinheiten mit mehrtägigen Pausen abstellt. Die beiden Kriterien beschreiben nicht dieselbe Sache in unterschiedlicher Stärke, sondern zwei gegensätzliche Muster.
Die dritte Gruppe betrifft die Umstände des Konsums, die vierte die Motive: Wird konsumiert, um Stress, Anspannung oder Schlafprobleme zu regulieren, spricht das für einen funktionalen Konsum, der schwerer zu unterbrechen ist als ein rein genussorientierter.
Die fünfte Gruppe ist für die Fahreignung die wichtigste. Zu ihr gehören das Fahren trotz Überschreitung des Werts von 3,5 ng/ml THC im Blutserum, eine geringe Distanzierung vom eigenen Verhalten, nicht eingehaltene Wartezeiten zwischen Konsum und Fahrtantritt, das Fehlen korrigierender Rückmeldungen aus dem Umfeld – etwa durch Beifahrende – und das Fahren trotz spürbarer körperlicher Beeinträchtigung. Die konkreten Wartezeiten stehen unter Trennvermögen Cannabis.
Die 16 Indikatoren sind ausdrücklich nicht kumulativ zu verstehen. Sie bilden einen strukturierten Leitfaden für die Exploration, damit das Gespräch systematisch geführt wird und nachvollziehbar bleibt. Es gibt keine Schwelle in der Art „ab acht Indikatoren riskant“.
Das erklärt auch, warum die Bundesanstalt für Straßenwesen festhält, dass es keine definierten Cannabinoid-Konzentrationen gibt, die auf das Vorliegen einer Abhängigkeit schließen lassen, während die 5. Auflage gleichzeitig mit Zahlen arbeitet. Beides ist richtig: Ein einzelner Messwert trägt keine Diagnose, wirkt aber als einer von vielen Bausteinen in der Gesamtwürdigung. An welcher Stelle der Hypothesensystematik ein solches Konsummuster landet, macht die Einordnung riskanten Konsums unter D3 deutlich.
Es gibt keinen solchen Wert. Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien nennt 75 ng/ml als Indikator für häufigen und 150 ng/ml als Indikator für regelmäßigen Konsum. Beide Werte sind Indikatoren innerhalb eines Katalogs von 16 Punkten und entscheiden nicht für sich genommen.
D 3.1 K beschreibt die Drogengefährdung durch riskanten Konsum. D 2.4 N erfasst mit 22 Indikatoren die bereits fortgeschrittene Cannabiskonsumproblematik, also eine Stufe mit größerem Ausmaß und deutlicheren Folgen.
Er ist einer der Indikatoren der Gruppe Konsummuster, nicht mehr. Maßgeblich ist das Gesamtbild aus Frequenz, Menge, Motiven und dem Verhalten an der Schnittstelle zwischen Konsum und Fahren.
Monokonsum meint den Konsum von Cannabis ohne weitere psychoaktive Substanzen. Kommen etwa gelegentlich Partydrogen hinzu, ist statt D 3.1 K das Kriterium D 3.2 K einschlägig, das den Mischkonsum mit 10 Indikatoren beschreibt.
Synonyme: riskanter Cannabismonokonsum, D 3.1 K. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Fahrerlaubnis-Verordnung, § 24a Straßenverkehrsgesetz, ICD-10.
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