LEXIKON
Die Anagenphase ist die aktive Wachstumsphase eines Haares. Sie ist der Grund dafür, dass eine Haaranalyse überhaupt einen Zeitverlauf abbilden kann: Nur während dieser Phase entsteht neue Haarsubstanz, in die Stoffe aus dem Blut eingelagert werden.
In der Wachstumsphase produziert die Haarwurzel fortlaufend neues Keratin, das den Haarschaft von unten aufbaut. Substanzen, die zu diesem Zeitpunkt im Körper zirkulieren, werden in die entstehende Haarmatrix eingelagert. Der Haarschaft wird dadurch zu einer Art fortlaufendem Protokoll: Der kopfhautnahe Abschnitt ist zuletzt entstanden, die spitzennahen Abschnitte früher. Genau diese Ordnung nutzt die Segmentanalyse. Endet die Wachstumsphase, stellt das Haar die Produktion ein – der bereits gebildete Schaft bleibt bestehen, wächst aber nicht weiter. Diesen Zustand beschreibt der Eintrag Telogenphase.
In Ratgebern kursieren präzise Angaben dazu, wie viele Jahre die Wachstumsphase dauert und welcher Anteil der Kopfhaare sich jeweils in welcher Phase befindet. Solche Werte lassen sich in den für die Abstinenzkontrolle maßgeblichen Regelwerken nicht belegen, und wir geben sie deshalb nicht wieder. Belegt und praktisch bedeutsam ist etwas anderes: die Wachstumsrate. Die Society of Hair Testing hält fest, dass eine Rate von etwa einem Zentimeter Kopfhaarwachstum pro Monat allgemein anerkannt ist, die individuelle Geschwindigkeit aber schwankt. Der Anhang C der GTFCh-Richtlinien nennt einen Bereich von etwa 0,5 bis 1,5 cm pro Monat; ein Universitätslabor gibt real 0,6 bis 1,4 cm pro Monat an. Mehr dazu unter Wachstumsrate.
Eine Haarsträhne enthält nicht ausschließlich Haare derselben Phase. Deshalb sind Segmentgrenzen nie messerscharf, sondern beschreiben einen Zeitraum mit unscharfen Rändern. Die Regelwerke tragen dem Rechnung, indem sie nicht mit Tagen, sondern mit Monatsstufen arbeiten: anerkannt wird ein Monat je Zentimeter, höchstens sechs Monate bei Betäubungsmitteln und Arzneistoffen und höchstens drei Monate bei Ethylglucuronid – unabhängig von der tatsächlichen Haarlänge. Die GTFCh empfiehlt für die Routine die Analyse von 3-cm-Abschnitten. Auch die Cut-off-Werte des Konsenspapiers 2021 sind auf Segmente von höchstens 3 cm bezogen; bei längeren Segmenten ist eine Verdünnung des Signals zu berücksichtigen.
Die Probe wird am Hinterhauptshöcker in mehreren Strähnen direkt an der Kopfhaut abgeschnitten, das proximale Ende wird markiert und die Restlänge dokumentiert. Nur so lässt sich das proximale Haarsegment später eindeutig zuordnen. Eine unsegmentierte Rückstellprobe wird zurückbehalten.
Weil sich Wachstumsraten individuell unterscheiden und ein Strähnenbündel Haare unterschiedlicher Phasen enthält. Die Zuordnung erfolgt deshalb in Monatsstufen, nicht taggenau.
Ein verstärkter Haarwechsel kann die Zusammensetzung der Probe verändern. Bekannte Ursachen sollten deshalb vor der Entnahme angegeben werden; siehe Haarausfall.
Nein. Für Körperhaar wird eine Segmentierung generell nicht empfohlen, und bei Barthaar entspricht die Wachstumsgeschwindigkeit nicht der von Kopfhaaren.
Synonyme: Wachstumsphase des Haares, aktive Haarphase. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Richtlinien der GTFCh mit Anhang C, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM).
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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