LEXIKON

Haarausfall

Haarausfall wird im Abstinenzkontrollprogramm nicht als medizinisches, sondern als praktisches Problem relevant: Wer wenig Kopfhaar hat, kann unter Umständen kein ausreichend langes Segment liefern. Das schließt eine Haaranalyse nicht aus, verändert aber den Zuschnitt des Programms. Die Folge ist mehr Aufwand, nicht ein Verlust der Nachweismöglichkeit.

Was fehlendes Kopfhaar konkret bedeutet

Eine feste Untergrenze der Haarlänge lässt sich aus den Beurteilungskriterien nicht belegen. Belegt ist allein die Aussage, dass bei einer kürzeren Haarlänge entsprechend mehr Untersuchungen durchzuführen sind. Der Grund liegt in der Anerkennungsregel: Anerkannt wird ein Monat je Zentimeter, höchstens drei Monate bei Ethylglucuronid und höchstens sechs Monate bei Betäubungsmitteln. Wer nur zwei Zentimeter liefern kann, deckt eben zwei Monate ab und braucht für denselben Nachweiszeitraum mehr Einzeltermine. Zwischen zwei Nachweisfenstern darf dabei höchstens eine Lücke von zwei Wochen liegen – das erhöht bei kurzem Haar den Planungsdruck erheblich.

Körperhaar als Ausweichmatrix

Haarart Verwendbarkeit
Kopfhaar Standard, Segmentierung möglich, Entnahme am Hinterhaupt
Körperhaar möglich, wird in der Regel nicht als Strang abgenommen und daher in Gesamtlänge analysiert; Anerkennung dennoch ein Monat je Zentimeter
Barthaar bei längerem Bart strähnenweise möglich, jedoch entspricht die Wachstumsgeschwindigkeit nicht der des Kopfhaars
Achsel- und Schamhaar für Alkoholabstinenz ausgeschlossen, der Ethylglucuronid-Cut-off ist nicht übertragbar

Die Society of Hair Testing hält eine Segmentierung von Körperhaar generell nicht für empfehlenswert. Damit entfällt die zeitliche Feinauflösung, die das Kopfhaar bietet.

Wechsel der Nachweisform

Reicht das vorhandene Haar nicht aus, ist der Wechsel auf ein Urinkontrollprogramm oder auf einen Marker aus dem Blut zu prüfen. Zu bedenken ist dabei, dass ein Urinkontrollprogramm rein prospektiv wirkt: Zeit vor Vertragsbeginn wird nicht angerechnet, während die Haaranalyse begrenzt rückwirkend belegen kann. Wer absehbar wenig Haar zur Verfügung hat, sollte diese Weichenstellung vor Programmbeginn mit der durchführenden Stelle klären und nicht erst am Entnahmetermin.

Was nicht in dieses Lexikon gehört

Ursachen von Haarausfall, ihre Abklärung und ihre Behandlung sind ärztliche Fragen. Dieses Lexikon gibt dazu bewusst keine Einschätzung ab. Belegte Aussagen über einen Einfluss von Haarausfall auf die Konzentration eingelagerter Substanzen liegen ebenfalls nicht vor. Relevant ist ausschließlich, wie viel Haar zur Entnahme zur Verfügung steht und wie die Anerkennungsregel darauf angewendet wird. Eine bestehende dermatologische Behandlung sollte der durchführenden Stelle mitgeteilt werden, damit sie dokumentiert ist.

Häufige Fragen

Kann ich mit sehr kurzen Haaren eine Haaranalyse machen lassen?

Ja, sofern eine Entnahme überhaupt möglich ist. Der abgedeckte Zeitraum richtet sich nach der verfügbaren Länge, sodass mehr Einzelanalysen nötig werden, um denselben Nachweiszeitraum zu belegen.

Bringt es etwas, die Haare vor dem Termin wachsen zu lassen?

Nur bis zur jeweiligen Obergrenze. Mehr als drei Zentimeter bei Ethylglucuronid und sechs Zentimeter bei Betäubungsmitteln werden nicht anerkannt, unabhängig von der tatsächlichen Länge.

Wird eine Glatze als Ausrede gewertet?

Nein. Fehlendes Kopfhaar ist ein anerkannter Umstand, auf den mit Körperhaar oder einem anderen Programm reagiert wird. Wichtig ist, das frühzeitig anzusprechen, damit die Programmplanung darauf eingeht.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Effluvium, Haarverlust. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, insbesondere CTU 1 und CTU 2; Konsenspapiere der Society of Hair Testing; Richtlinien der GTFCh, Anhang C.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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Betrifft Sie das konkret?

Dieser Artikel erklärt einen Fachbegriff — er ersetzt kein Gespräch über Ihren Fall.

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