LEXIKON
Die Segmentanalyse ist die Untersuchung einer Haarsträhne in mehreren Abschnitten, um Befunde zeitlich zuzuordnen statt nur eine Gesamtaussage zu erhalten. Weil das kopfnahe Ende zuletzt gewachsen ist, entspricht jeder Zentimeter etwa einem Monat – aus der Strähne wird so eine Zeitachse. Die GTFCh empfiehlt für die Routine Abschnitte von 3 cm, weil die konsentierten Grenzwerte genau auf diese Länge zugeschnitten sind.
Das Labor erhält die Strähne mit markiertem kopfnahem Ende, richtet sie aus, kürzt sie auf die auswertbare Länge und schneidet sie quer in Abschnitte. Jeder Abschnitt wird getrennt aufgearbeitet und gemessen, sodass am Ende nicht ein Wert steht, sondern mehrere – einer je Zeitfenster. Ohne diese Ausrichtung wäre das nicht möglich: Würde die Strähne verdreht ankommen, entständen zwar Zahlen, aber in falscher Reihenfolge. Deshalb hängt die Segmentanalyse unmittelbar an der Qualität der Haarprobe und an der Markierung des proximalen Endes.
Die Abschnittslänge ist kein Rundungsergebnis, sondern folgt der Analytik. Die Cut-off-Werte des SoHT-Konsenspapiers von 2021 sind ausdrücklich für Segmente von bis zu 3 cm konsentiert. Für die Alkoholfragestellung darf in Deutschland ohnehin nur ein 3-cm-Segment untersucht werden, bei Betäubungsmitteln und Arzneistoffen sind bis zu 6 cm auswertbar – die dann sinnvoll in zwei Abschnitte zerlegt werden.
| Abschnitt | Abgebildeter Zeitraum | Verwendung |
|---|---|---|
| 0 bis 3 cm (kopfnah) | die letzten etwa 3 Monate | maßgeblich für EtG; Grundlage aller Alkoholbefunde |
| 3 bis 6 cm | etwa der 4. bis 6. Monat | nur bei Betäubungsmitteln und Arzneistoffen auswertbar |
| jenseits von 6 cm | älter als 6 Monate | wird nicht ausgewertet |
Wird ein längerer Abschnitt in einem Stück analysiert, verteilt sich eine punktuelle Einlagerung auf mehr Material. Das Ergebnis ist ein niedrigerer Messwert bei gleicher Substanzmenge – ein Verdünnungseffekt, der nach dem Konsenspapier bei Segmenten über 3 cm ausdrücklich zu berücksichtigen ist. Ein Wert knapp unter dem Cut-off aus einem langen Segment ist deshalb nicht dasselbe wie derselbe Wert aus einem 3-cm-Segment. Umgekehrt gilt auch nach unten eine Vorsichtsregel: Werden Probenlängen unter 3 cm oder über 6 cm verwendet, sind die Ergebnisse mit Zurückhaltung zu interpretieren. Zusammen mit der harmonisierten Messunsicherheit von ± 30 % ist das der Grund, weshalb sachverständige Befunde selten mit einer einzelnen Zahl argumentieren.
Die Segmentanalyse liefert Monatsfenster, keine Kalendertage. Der Grund liegt in der Biologie: In jeder Strähne stehen Haare unterschiedlicher Zyklusphasen nebeneinander, sodass die Schnittkante zwischen zwei Abschnitten biologisch weich ist – Näheres unter Haarwachstum. Dazu addiert sich die Streuung der Wachstumsrate. Eine feinere Aufteilung, etwa in Ein-Zentimeter-Abschnitte, erzeugt daher nicht mehr Wahrheit, sondern nur mehr Zahlen: Sie liefert weniger Material pro Messung und stößt zugleich an die Grenze, dass die Cut-offs für diese Längen nicht konsentiert sind.
Im Kontrollprogramm zählen nicht nur die Segmente einer Analyse, sondern auch, wie die Analysen aneinander anschließen. Zwischen zwei Nachweisfenstern darf eine Lücke von höchstens zwei Wochen liegen. Daraus ergeben sich die typischen Rhythmen: bei Alkohol vier Analysen in zwölf Monaten im Abstand von je drei Monaten, bei Betäubungsmitteln zwei Analysen im Abstand von sechs Monaten. Verschiebt sich ein Termin zu weit nach hinten, ist der Zeitraum nicht mehr durchgehend belegt – siehe Beleglücke. Deshalb wird bei jeder Entnahme die verbleibende Restlänge dokumentiert: Sie entscheidet mit, wann der nächste Termin sinnvoll liegt.
Bei Körperhaar fällt die zeitliche Auflösung weg. Technischer Grund: Körperhaare werden in der Regel nicht als Haarstrang abgenommen, sodass eine Kürzung auf eine bestimmte Länge im Labor nicht möglich ist und sie in der Gesamtlänge in die Analyse gehen. Fachlich kommt hinzu, dass die Society of Hair Testing eine Segmentierung von Körperhaar generell nicht empfiehlt, weil der Wachstumszyklus dort anders verläuft. Ein Befund aus Körperhaar sagt damit etwas über einen Zeitraum insgesamt, aber nichts über dessen Verlauf.
Sie kann einen auffälligen Befund einem Segment und damit einem Monatsfenster zuordnen, nicht aber einem bestimmten Tag oder einer Woche. Die Grenzen zwischen den Abschnitten sind biologisch unscharf, weil Haare verschiedener Wachstumsphasen gemischt sind. Aussagen zum Verlauf trifft am Ende die sachverständige Interpretation, nicht die Messzahl allein.
Weil für den Nachweis von Alkoholabstinenz in Deutschland nur ein kopfnahes 3-cm-Segment ausgewertet werden darf, was drei Monaten entspricht. Der EtG-Grenzwert von 5 pg/mg ist genau für dieses proximale Segment konsentiert. Längere Zeiträume entstehen durch mehrere Entnahmen, nicht durch längere Segmente.
In der Routine nicht. Die konsentierten Grenzwerte gelten für Segmente bis 3 cm, und bei Probenlängen unter 3 cm sind Ergebnisse ausdrücklich mit Vorsicht zu interpretieren. Weniger Material pro Messung verschlechtert zudem die analytischen Bedingungen.
Die Segmentanalyse zerlegt die Strähne in Abschnitte und liefert je Abschnitt einen Wert, also einen zeitlichen Verlauf. Die Gesamtlängenanalyse untersucht das Material in einem Stück und liefert einen Mittelwert über den ganzen Zeitraum. Bei Körperhaar bleibt in der Regel nur die zweite Variante.
Synonyme und verwandte Bezeichnungen: segmentweise Haaranalyse, Segmentierung, abschnittsweise Untersuchung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapiere der Society of Hair Testing (unter anderem DoA-Konsens 2021), Richtlinien der GTFCh (Anhang C), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.
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