LEXIKON

Temazepam

Temazepam ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzodiazepine, der ärztlich vor allem bei Schlafstörungen verordnet wird. Im Abstinenzkontrollprogramm ist er relevant, weil Benzodiazepine zu den psychoaktiv wirkenden Arzneistoffen zählen, deren Einnahme offengelegt und ärztlich belegt werden muss.

Wie Temazepam analytisch erfasst wird

Das Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar nennt für Benzodiazepine ausdrücklich keine Cut-off-Werte – diese Substanzgruppe ist dort eine bekannte Lücke. Maßgeblich ist deshalb die deutsche Praxis nach den CTU-Kriterien, die für Benzodiazepine im Haar einen Wert von 50 pg/mg ansetzt. Im Urin liegt der identifizierende Bestätigungswert für Benzodiazepine bei 50 ng/ml, während das vorgeschaltete Screening im Bereich von 200 bis 300 ng/ml arbeitet.

Matrix Verfahren Wert
Haar deutsche CTU-Praxis, Benzodiazepine 50 pg/mg
Urin Screening (Immunoassay) 200–300 ng/ml
Urin Bestätigung, identifizierend 50 ng/ml

Wo ein substanzspezifischer Wert fehlt, greifen die laborinternen, nach den Anforderungen der GTFCh validierten Bestimmungsgrenzen. Ein positives Screeningergebnis ist für sich genommen nie verwertbar; es muss durch ein zweites, unabhängiges und identifizierendes Verfahren mit mindestens gleicher Empfindlichkeit bestätigt werden.

Die Schwäche der gruppenbezogenen Benzodiazepin-Screenings

Immunchemische Benzodiazepin-Tests sind auf Oxazepam ausgerichtet. Sie erfassen die Gruppe damit nur ungleichmäßig: Bei Lorazepam, Clonazepam und Alprazolam versagen sie häufig, das heißt, ein Konsum kann trotz Screening unbemerkt bleiben. Diese falsch negative Konstellation ist der Grund, warum bei konkretem Verdacht oder bekannter Verordnung gezielt auf den Einzelstoff untersucht wird, statt sich auf den Gruppentest zu verlassen.

Umgekehrt sind auch Interferenzen bekannt: Für Benzodiazepin-Assays ist Pirfenidon als kreuzreagierende Substanz beschrieben, allerdings erst in sehr hoher Konzentration. Beides zusammen erklärt, warum ein Immunoassay nur hinweisgebend ist.

Fahreignungsrechtliche Einordnung bei Verordnung

Benzodiazepine fallen als psychoaktiv wirkende Arzneistoffe unter § 14 der Fahrerlaubnis-Verordnung, und Anlage 4 Nummer 9.4 stellt die missbräuchliche Arzneimitteleinnahme der Nichteignung gleich. Entscheidend ist jedoch der Grundsatz aus Kapitel 3.14.1 der Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung: Die Nichteignung gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.

Praktisch heißt das: Wer Temazepam verordnet bekommt, sollte das der durchführenden Stelle vor der ersten Kontrolle mitteilen und die Verordnung belegen. Wird ein Befund erst im Nachhinein erklärt, entsteht ein Erklärungsdruck, der sich durch rechtzeitige Offenlegung vollständig vermeiden lässt. Die Begutachtungsleitlinien weisen zudem darauf hin, dass bei Tranquilizern bereits nach einigen Monaten der Einnahme kleiner Mengen eine Abhängigkeit entstehen kann. Die fahreignungsrelevante Bewertung einer indizierten Dauermedikation erfolgt in der 5. Auflage der Beurteilungskriterien über die M-Hypothesen.

Häufige Fragen

Muss ich eine Verordnung von Temazepam melden?

Ja. Jede Einnahme eines psychoaktiv wirkenden Arzneistoffs gehört unaufgefordert in die Anamnese und in die Angaben gegenüber der durchführenden Stelle. Eine belegte, bestimmungsgemäße Einnahme ist kein Programmverstoß, eine verschwiegene dagegen ein erhebliches Problem für die Verwertbarkeit.

Wird Temazepam im normalen Drogenscreening gefunden?

Nicht zuverlässig. Gruppenbezogene Benzodiazepin-Tests sind auf Oxazepam kalibriert und erfassen einzelne Vertreter der Gruppe unterschiedlich gut. Sicherheit gibt nur eine gezielte, identifizierende Bestimmung.

Gibt es einen international konsentierten Haar-Cut-off?

Nein. Das Konsenspapier 2021 führt Benzodiazepine gar nicht auf. In Deutschland wird nach CTU-Praxis mit 50 pg/mg gearbeitet, in der Schweiz nennt die SGRM für einzelne Benzodiazepine Werte von 10 bis 20 pg/mg.

Verwandte Begriffe

  • Benzodiazepine – die Wirkstoffgruppe, zu der Temazepam gehört
  • Oxazepam – Zielanalyt der gruppenbezogenen Screenings
  • Schlafmittel – Anwendungsgebiet und Abgrenzung zu anderen Stoffklassen
  • Bestätigungsanalyse – erst sie macht einen Befund verwertbar
  • Hypothese M – Bewertung verordneter Arzneistoffe in der Begutachtung

Zur Einordnung der gesamten Stoffgruppe im MPU-Verfahren siehe auch die Erläuterung zu Benzodiazepinen auf unserer MPU-Seite.

Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: CTU-Kriterien der Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt (Stand 01.06.2022), Richtlinien der GTFCh, Fahrerlaubnis-Verordnung.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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