LEXIKON

Spezifität

Spezifität ist der Anteil richtig negativer Befunde: Wie zuverlässig erkennt ein Verfahren, dass ein Stoff nicht vorhanden ist? Ein hoch spezifisches Verfahren erzeugt wenige Fehlalarme. In der Abstinenzanalytik ist das die Eigenschaft, auf die die Bestätigungsstufe ausgelegt wird – denn ein falscher Treffer hätte für die betroffene Person schwere Folgen.

Die Arbeitsteilung zwischen den beiden Analysestufen

Das Screening wird sensitivitätsorientiert konfiguriert, die Bestätigung spezifitätsorientiert. Die Richtlinien der GTFCh formulieren das als Grundregel: Positive Resultate hinweisgebender Analysen sind isoliert genommen nicht gerichtsverwertbar und müssen durch ein zweites unabhängiges, spezifisches und identifizierendes Verfahren mit mindestens gleicher Empfindlichkeit bestätigt werden. Ausdrücklich gilt zudem: Ein immunchemisches Analysenergebnis kann nicht durch einen zweiten Immunoassay bestätigt werden.

Belegte Spezifitätswerte in der Alkoholmarkeranalytik

Für PEth im Blut ist eine Spezifität von mindestens 0,987 für die Aussage „Vereinbarkeit mit Abstinenz oder geringem Alkoholkonsum“ berichtet – erhoben nach mindestens vier Wochen Abstinenz bei Ausgangswerten bis 160 ng/ml in einer Untersuchung mit 687 Fällen. Das ist einer der Gründe, weshalb PEth als besonders belastbarer Alkoholmarker gilt.

Ganz anders liegt es bei den indirekten Markern. Die Gamma-GT hat eine geringe Spezifität, weil sie auch durch Arzneistoffe sowie Leber- und Gallenwegserkrankungen erhöht sein kann. Indirekte Alkoholmarker sind deshalb kein Abstinenznachweis, sondern allenfalls Hinweise auf chronisch erhöhten Konsum.

Das spezifischste Screening – und die schwächeren

Unter den gruppenbezogenen Tests gilt der Kokainmetabolit-Assay als der spezifischste: Für ihn wurde keine gesicherte Interferenzsubstanz identifiziert. Bei anderen Assays ist die Lage anders. Dokumentiert sind unter anderem Bupropion ab etwa 8.500 ng/ml im Amphetamin-Assay, Vortioxetin ab etwa 7.500 ng/ml im Methadon-Assay und Trazodon ab etwa 4.000 ng/ml im Fentanyl-Assay. Beim EtG-Immunoassay ist 2-Propylglucuronid ab etwa 650 ng/ml als Interferenz beschrieben. Jede dieser Kreuzreaktionen senkt die Spezifität der ersten Stufe.

Warum Spezifität für Betroffene die wichtigere Größe ist

Ein übersehener Konsum kostet ein Programm; ein falsch positiver Befund kostet unter Umständen den Nachweis von Monaten. Deshalb ist die zweistufige Systematik keine bürokratische Hürde, sondern ein Schutz. Hinzu kommt die Messunsicherheit, die in der Haaranalytik harmonisiert mit rund plus/minus 30 Prozent angesetzt wird und bei Entscheidungen nahe am Cut-off zugunsten der betroffenen Person zu berücksichtigen ist.

Häufige Fragen

Kann ein Bestätigungsergebnis noch falsch positiv sein?

Ein methodisch bedingtes Fehlsignal ist bei chromatographisch-massenspektrometrischen Verfahren sehr unwahrscheinlich. Bleibt die Frage der Herkunft: Ein richtig gemessener Stoff kann aus einer externen Kontamination oder aus einem verordneten Arzneistoff stammen. Das ist keine Frage der Spezifität, sondern der Interpretation.

Warum wird nicht gleich das spezifische Verfahren eingesetzt?

Weil es aufwendiger und teurer ist. Die vorgeschaltete Gruppenanalyse reduziert die Zahl der Proben, die vollständig aufgearbeitet werden müssen. Bei Haarproben in der Abstinenzanalytik wird ohnehin unmittelbar mit massenspektrometrischen Verfahren gearbeitet.

Verwandte Begriffe

  • Sensitivität – die komplementäre Kenngröße des Screenings
  • Selektivität – die methodische Voraussetzung hoher Spezifität
  • Benzoylecgonin – Zielanalyt des besonders spezifischen Kokain-Assays
  • Verwertbarkeit – hängt unmittelbar an der Bestätigungsstufe
  • LC-MS/MS – das Standardverfahren der spezifischen Bestätigung

Synonym: Richtig-Negativ-Rate. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, publizierte Untersuchungen zu PEth und zu Assay-Interferenzen, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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