LEXIKON
Sensitivität bezeichnet in der Analytik den Anteil richtig positiver Befunde: Wie zuverlässig findet ein Verfahren das, was tatsächlich vorhanden ist? Ein sensitives Verfahren übersieht wenig – um den Preis, dass es auch anschlägt, wo nichts ist. Deshalb wird das Screening in der Abstinenzanalytik bewusst sensitivitätsorientiert konfiguriert.
Umgangssprachlich meint Sensitivität oft die Empfindlichkeit einer Methode, also wie kleine Mengen sie erfassen kann. Fachlich ist das eine Frage der Nachweisgrenze und der Bestimmungsgrenze. Die diagnostische Sensitivität dagegen ist eine Quote und beschreibt, welcher Anteil der tatsächlich positiven Fälle als positiv erkannt wird. Beide hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Wie hoch die Anforderungen an die analytische Empfindlichkeit sein können, zeigen zwei belegte Werte: Für THC-Carbonsäure im Haar wird eine minimale Bestimmungsgrenze von 0,2 pg/mg gefordert; für EtG im Haar gilt eine angestrebte Methodensensitivität mit einer Bestimmungsgrenze unter 1 pg/mg.
Ein Screening soll nichts durchrutschen lassen. Es arbeitet klassenbezogen, mit hohem Durchsatz und hoher Sensitivität, aber begrenzter Trennschärfe. Ein positives Ergebnis ist deshalb nur hinweisgebend. Die Bestätigungsanalyse kehrt die Priorität um und wird spezifitätsorientiert ausgelegt. Die Richtlinien der GTFCh verlangen dabei, dass das bestätigende Verfahren mindestens die gleiche Empfindlichkeit besitzt wie das hinweisgebende – sonst könnte ein echtes Positiv im zweiten Schritt verloren gehen.
Auch sensitive Gruppentests haben blinde Flecken. Benzodiazepin-Screenings zielen auf Oxazepam und versagen häufig bei Lorazepam, Clonazepam und Alprazolam. Opiat-Screenings erfassen Fentanyl, Methadon, Buprenorphin, Oxycodon und Hydrocodon nicht zuverlässig. Ein negatives Screening ist in diesen Fällen kein Beleg für Substanzfreiheit, sondern nur ein Hinweis darauf, dass die erfassten Leitsubstanzen nicht über der Grenze lagen. Solche falsch negativen Konstellationen sind der Grund, weshalb die Nachweisstrategie und der Auftragsumfang so sorgfältig festgelegt werden.
Je niedriger die Entscheidungsgrenze, desto eher fallen Störfaktoren ins Gewicht. Der deutsche Bestätigungswert für THC-Carbonsäure im Urin liegt mit 7,5 ng/ml halb so hoch wie der US-Bundeswert von 15 ng/ml. Genau deshalb spielen hierzulande Fragen wie Produktverunreinigungen oder extreme Passivexposition eine größere Rolle. Dasselbe Muster zeigt sich beim EtG-Urinwert von 100 ng/ml, bei dem Spuren aus alkoholhaltigen Alltagsprodukten auffällig werden können, die international unbemerkt blieben.
Nein. Hohe Sensitivität erhöht die Zahl der Treffer, die anschließend überprüft werden müssen. Erst das Zusammenspiel aus sensitivem Screening und spezifischer Bestätigung ergibt ein belastbares Ergebnis.
Er bedeutet, dass keiner der untersuchten Stoffe über der jeweiligen Grenze gefunden wurde. Er sagt nichts über Substanzen aus, die nicht Teil des Auftrags waren oder für die keine validierte Methode existiert.
Weil die Fachgesellschaft für Verkehrsmedizin das bei reiner Cannabisfragestellung im Haar empfiehlt – wegen zunehmender Passivexposition und falsch positiver THC-Befunde. Der Metabolit ist der sicherere Hinweis auf tatsächliche Aufnahme.
Synonyme: Empfindlichkeit, Richtig-Positiv-Rate. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, FAQ der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin.
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