LEXIKON

Körperhaar

Körperhaar wird in der Abstinenzanalytik dann herangezogen, wenn Kopfhaar nicht in ausreichender Länge verfügbar ist. Es folgt anderen Regeln als Kopfhaar: Es wird nicht als Strang entnommen, in der Regel nicht segmentiert und nicht für jede Fragestellung anerkannt.

Warum eine Segmentierung ausscheidet

Die Society of Hair Testing hält fest, dass eine Segmentierung von Körperhaar generell nicht empfohlen wird. Der praktische Grund steht in den deutschen Verfahrensbeschreibungen: Körperhaare werden in der Regel nicht als Haarstrang abgenommen, sodass eine Kürzung auf eine bestimmte Länge im Labor nicht erfolgen kann; sie werden deshalb in ihrer Gesamtlänge einer Analyse zugeführt. Eine zeitliche Zuordnung einzelner Abschnitte, wie sie die Segmentanalyse beim Kopfhaar erlaubt, ist damit nicht möglich.

Anerkennung: ein Monat je Zentimeter, unabhängig von der Länge

Trotz dieser Einschränkung gilt auch für Körperhaar die allgemeine Anerkennungsregel: ein Monat je Zentimeter, höchstens sechs Monate für Betäubungsmittel und Arzneistoffe, höchstens drei Monate für Ethylglucuronid. Diese Obergrenze gilt ausdrücklich unabhängig von der tatsächlichen Haarlänge. Wer also ein längeres Fenster belegen möchte, kann das nicht über eine besonders lange Probe erreichen, sondern nur über mehrere Analysen – bei kürzerer Haarlänge sind entsprechend mehr Untersuchungen durchzuführen.

Wo Körperhaar nicht verwendet werden darf

Für den Alkoholnachweis ist die Einschränkung am deutlichsten: Der Cut-off für Ethylglucuronid ist auf Achsel- und Schamhaar ausdrücklich nicht übertragbar, und Achselhaar ist für den Nachweis der Alkoholabstinenz ausgeschlossen. Barthaar nimmt eine Zwischenstellung ein: Bei längerem Bart lassen sich Strähnen analog zum Kopfhaar gewinnen, doch entspricht die Wachstumsgeschwindigkeit nicht der von Kopfhaaren – die Umrechnung von Zentimetern in Monate ist dort also nicht ohne Weiteres möglich.

Häufige Fragen

Kann ich statt Kopfhaar einfach Körperhaar abgeben?

Nur wenn die durchführende Stelle es für die konkrete Fragestellung zulässt. Bei Alkoholfragestellungen ist die Verwendbarkeit stark eingeschränkt, bei Betäubungsmitteln eher möglich. Die Entscheidung trifft nicht die betroffene Person, sondern die Stelle nach den CTU-Kriterien.

Was bedeutet das bei Haarausfall?

Bei fehlendem Kopfhaar kommt Körperhaar als Ersatzmatrix in Betracht, mit den genannten Einschränkungen. Alternativ kommt ein Urinkontrollprogramm in Frage. Näheres unter Alopecia.

Ist eine unsegmentierte Analyse weniger aussagekräftig?

Sie beantwortet eine andere Frage. Statt einer zeitlichen Zuordnung liefert sie einen Mischwert über die gesamte Länge. Für die Frage, ob überhaupt konsumiert wurde, kann das genügen; für die Frage, wann, nicht.

Verwandte Begriffe

  • Kopfhaar – die Regelmatrix und ihre abweichenden Vorgaben
  • Haarentnahme – der Ablauf und seine Dokumentation
  • Haarlänge – warum Länge und Nachweiszeitraum nicht dasselbe sind
  • Haarwachstum – die Rechengrundlage von einem Zentimeter je Monat
  • Haarmatrix – die Einlagerung von Substanzen ins Haar

Auch Ersatzmatrix oder alternative Haarmatrix genannt. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Richtlinien der GTFCh (Anhang C), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM), Kriterium CTU 2.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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