LEXIKON
Midazolam ist ein kurz wirksames Benzodiazepin, das vor allem in der Klinik zur Sedierung und zur Einleitung einer Narkose eingesetzt wird. In Abstinenzkontrollprogrammen taucht es deshalb typischerweise nicht als Konsumfrage auf, sondern nach einem medizinischen Eingriff.
Wer eine Narkose oder eine Sedierung erhalten hat, muss damit rechnen, dass die verabreichten Wirkstoffe analytisch erfasst werden. Das ist kein Fehler der Analyse, sondern ein zutreffender Befund. Entscheidend ist der Rechtsgrund: Nach Kapitel 3.14.1 der Begutachtungsleitlinien gilt die Nichteignung nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. Damit dieser Satz greift, braucht es Belege – Entlassungsbrief, Medikationsplan, Datum des Eingriffs. Melden Sie einen Krankenhausaufenthalt deshalb, bevor ein Befund vorliegt.
Für Benzodiazepine nennt das Konsenspapier der Society of Hair Testing von 2021 ausdrücklich keine Cut-off-Werte. In der deutschen CTU-Praxis wird für Benzodiazepine im Haar mit 50 pg/mg gearbeitet; die Schweizer SGRM nennt für einzelne Vertreter 10 bis 20 pg/mg. Im Urin liegt der Screening-Bereich bei 200 bis 300 ng/ml und der deutsche Bestätigungswert bei 50 ng/ml. Wo ein konsentierter Wert fehlt, greifen laborinterne, nach den Anforderungen der GTFCh validierte Bestimmungsgrenzen.
Immunchemische Benzodiazepin-Screenings sind auf Oxazepam ausgerichtet und versagen bekanntermaßen häufig bei anderen Vertretern der Gruppe, etwa Lorazepam, Clonazepam und Alprazolam. Ein unauffälliges Gruppenscreening ist bei Benzodiazepinen deshalb nur begrenzt aussagekräftig. Umgekehrt sind auch falsch positive Ergebnisse möglich; belegt ist etwa eine Interferenz durch Pirfenidon ab rund 133.000 ng/ml. Beide Fehlerrichtungen führen zu derselben Konsequenz: Ein Screeningergebnis ist isoliert nicht gerichtsverwertbar und muss durch ein zweites, unabhängiges und identifizierendes Verfahren bestätigt werden.
Nicht, wenn sie ärztlich indiziert, bestimmungsgemäß und dokumentiert ist. Gefährlich wird nur der unerklärte Befund. Legen Sie den Eingriff deshalb aktiv offen.
Für Benzodiazepine gilt im Urin bei therapeutischer Anwendung in der Regel ein Nachweis von etwa drei Tagen, bei langfristiger Einnahme bis zu sechs Wochen. Eine gesonderte belegte Zahl für Midazolam liegt nicht vor.
Ja. Auch wenn Benzodiazepine dort nicht Gegenstand der Fragestellung sind, gehört jede ärztliche Maßnahme in die Dokumentation des Kontrollzeitraums.
Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen (2021), Richtlinie der SGRM (2024), deutsche CTU-Cut-off-Tabellen, Richtlinien der GTFCh, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (BASt, Stand 01.06.2022), Kapitel 3.14.1.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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