LEXIKON
Lorazepam ist ein Benzodiazepin, das als Arzneistoff verordnet wird. Für Abstinenzkontrollen ist es aus einem besonderen Grund bedeutsam: Gruppenbezogene Benzodiazepin-Screenings zielen auf Oxazepam und versagen bei Lorazepam häufig – ein negatives Screening schließt eine Einnahme also nicht aus.
Immunchemische Screenings erkennen eine Substanzklasse über die strukturelle Ähnlichkeit zu einer Leitsubstanz. Bei Benzodiazepinen ist das Oxazepam. Belegt ist, dass diese Screenings häufig bei Lorazepam, Clonazepam und Alprazolam versagen. Das ist die Kehrseite der bekannteren Kreuzreaktion: Nicht ein falsch positives, sondern ein falsch negatives Ergebnis. Für Betroffene bedeutet das vor allem, sich nicht auf ein unauffälliges Screening zu verlassen – bei entsprechender Fragestellung wird gezielt mit massenspektrometrischen Verfahren nachgewiesen.
Das Konsenspapier der Society of Hair Testing von 2021 führt für Benzodiazepine ausdrücklich keine Cut-off-Werte. Wo ein konsentierter Wert fehlt, greifen laborinterne, validierte Bestimmungsgrenzen nach den Anforderungen der GTFCh. In der deutschen CTU-Praxis wird für Benzodiazepine im Haar mit 50 pg/mg gearbeitet; die Schweizer SGRM nennt für einzelne Vertreter 10 bis 20 pg/mg. Im Urin liegt der Screening-Bereich bei 200 bis 300 ng/ml, der deutsche Bestätigungswert bei 50 ng/ml. Nachweisfenster im Urin: bei therapeutischer Anwendung in der Regel drei Tage, bei langfristiger Einnahme bis zu sechs Wochen.
Nach Anlage 4 der Fahrerlaubnis-Verordnung, Nummer 9.4, schließt die missbräuchliche Einnahme psychoaktiv wirkender Arzneimittel die Eignung aus, nach Nummer 9.6 auch eine Dauerbehandlung, die zu Leistungsbeeinträchtigungen führt. Für die bestimmungsgemäße Einnahme gilt dagegen der Grundsatz aus Kapitel 3.14.1 der Begutachtungsleitlinien. Die Leitlinien weisen zugleich auf ein besonderes Risiko hin: Bereits nach einigen Monaten der Einnahme selbst kleiner Mengen kann eine Abhängigkeit im Sinne einer Low-Dose-Dependence eintreten. Diese Frage gehört in ärztliche Hände, nicht in eine Eigeneinschätzung.
Nein. Gerade bei Lorazepam ist ein unauffälliges Gruppenscreening nicht aussagekräftig. Wenn die Fragestellung Benzodiazepine umfasst, muss der Laborauftrag die gezielte Bestimmung vorsehen.
Ja, wenn sie in den Nachweiszeitraum fällt. Bei einer Haaranalyse reicht dieser bei Arzneistoffen bis zu sechs Monate zurück.
Weil das internationale Konsenspapier für Benzodiazepine keinen nennt. An seine Stelle treten validierte laborinterne Grenzen, die im Laborbefund ausgewiesen werden.
Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen (2021), Richtlinie der SGRM (2024), deutsche CTU-Cut-off-Tabellen, Richtlinien der GTFCh, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (BASt, Stand 01.06.2022), Fahrerlaubnis-Verordnung Anlage 4. Ergänzend die Darstellung der Benzodiazepine auf unserer Schwesterseite.
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