LEXIKON
Methadon ist ein verschreibungspflichtiger, vollsynthetischer Arzneistoff (früher „Medikament“) aus der Gruppe der Opioide, der in der Abstinenzkontrolle gezielt bestimmt werden muss, weil gruppenbezogene Opiat-Tests ihn nicht zuverlässig erfassen. Der Nachweis stützt sich auf die Muttersubstanz und auf den Abbaustoff EDDP. Diese Seite behandelt die Substanz und ihre Analytik; die besondere Lage in einem Substitutionsprogramm ist gesondert dargestellt.
Der gruppenbezogene Opiattest ist auf die Strukturmerkmale der morphinähnlichen Verbindungen ausgelegt. Methadon hat einen davon abweichenden Aufbau und wird deshalb von Opiat-Screenings nicht verlässlich erkannt – dasselbe gilt für Buprenorphin, Fentanyl, Oxycodon und Hydrocodon. Wer also darauf vertraut, ein Opiattest „deckt Opioide ab“, unterliegt einem verbreiteten Irrtum. Soll Methadon erfasst werden, braucht es einen eigenen Assay oder von Anfang an eine gezielte massenspektrometrische Bestimmung. Diese Konstellation ist ein Musterfall für falsch-negative Ergebnisse und wird in der Nachweisstrategie berücksichtigt.
Bei kaum einem anderen Wirkstoff liegen die veröffentlichten Haarwerte so weit auseinander. Wer im Netz recherchiert, findet drei verschiedene Zahlen und hält sie für einen Widerspruch. Tatsächlich stammen sie aus drei Regelwerken mit drei verschiedenen Zwecken.
| Analyt im Kopfhaar | Wert | Regelwerk |
|---|---|---|
| Methadon | 200 pg/mg | Konsenspapier der Society of Hair Testing 2021 |
| Methadon | 500 pg/mg | schweizerische Liste der SGRM (2024) |
| Methadon | 100 pg/mg | deutsche Praxistabelle nach den CTU-Kriterien |
| EDDP | 20 pg/mg | schweizerische Liste der SGRM (2024) |
| EDDP | 100 pg/mg | deutsche Praxistabelle nach den CTU-Kriterien |
| EDDP | kein eigener Wert | Konsenspapier 2021 (ausdrückliche Lücke) |
Das internationale Konsenspapier will eine zwischen Laboratorien vergleichbare Aussage darüber ermöglichen, ob ein Wirkstoff aufgenommen wurde; es setzt seine Werte bewusst so, dass Spurenbefunde nicht überinterpretiert werden. Die schweizerische Liste dient dem dortigen Kontrollregime und liegt bei Methadon höher, bestimmt dafür EDDP sehr empfindlich. Die deutsche Praxistabelle folgt dem Zweck der Abstinenzkontrolle: Hier soll bereits ein niedriger Gehalt auffallen, weshalb sie am tiefsten ansetzt. Ein Befund ist also immer nur zusammen mit dem Regelwerk zu lesen, nach dem gemessen wurde – und mit der harmonisierten Messunsicherheit der Haaranalytik von rund 30 Prozent. Grundlagen unter Cut-off und CTU 3.
EDDP entsteht erst im Körper aus Methadon. Der Nachweis von EDDP belegt deshalb, dass Methadon tatsächlich einen Stoffwechsel durchlaufen hat, und nicht nur, dass die Substanz irgendwie in die Probe gelangt ist. Fachlich ist EDDP damit der Echtheitsnachweis zum Methadonbefund: Muttersubstanz plus Metabolit ergeben zusammen ein in sich schlüssiges Bild, die Muttersubstanz allein nicht. Bemerkenswert ist, dass das Konsenspapier 2021 für EDDP ausdrücklich keinen eigenen Cut-off festlegt – ebenso wie für Benzoylecgonin, Cocaethylen und Norbuprenorphin. In solchen Fällen greifen die laborintern validierte Bestimmungsgrenze und die Anforderungen der GTFCh. Welche Konsequenz das im Substitutionsprogramm hat, ist unter Methadon als Substitutionsmittel beschrieben.
Nach den deutschen CTU-Kriterien liegt der Bestätigungswert für Methadon und für EDDP jeweils bei 30 ng/ml. Beide Analyten werden gemeinsam bestimmt, weil erst das Paar aussagekräftig ist. Deutsche Laborangaben nennen für Methadon und EDDP im Urin ein Nachweisfenster von bis zu sieben Tagen; das ist deutlich länger als bei den klassischen Opiaten, deren Fenster gewöhnlich bei etwa drei Tagen endet. Für ein Urinkontrollprogramm mit Einbestellung innerhalb von höchstens 24 Stunden ist das ein vergleichsweise komfortables Fenster – siehe Nachweisfenster und Urin.
Wird ein spezifischer Methadon-Immunoassay eingesetzt, ist mit Interferenzen zu rechnen. Beschrieben sind sie unter anderem für Vortioxetin ab etwa 7.500 ng/ml, für Propafenon ab etwa 83.200 ng/ml und für Pazopanib ab etwa 198.400 ng/ml. Diese Konzentrationen sind hoch, aber sie zeigen das Prinzip: Ein Screeningergebnis ist ein Hinweis auf eine Substanzklasse, keine Identifizierung eines Moleküls. Verwertbar wird es erst durch ein zweites, unabhängiges und identifizierendes Verfahren mit mindestens gleicher Empfindlichkeit; ein Immunoassay kann nicht durch einen weiteren Immunoassay bestätigt werden. Vertiefend: Kreuzreaktion und Immunoassay.
Methadon wird nicht ohne ärztliche Verordnung eingenommen. Ein Befund kann daher seine Ursache in einer laufenden Behandlung haben, und ein solcher Befund ist etwas anderes als ein Konsumbefund. Damit diese Unterscheidung möglich ist, muss die Verordnung der durchführenden Stelle offengelegt und belegt werden, und zwar bevor eine Probe abgegeben wird. Das Labor bewertet nicht; es berichtet Analyten, Konzentrationen und Segmentzuordnung. Die fahreignungsrechtliche Einordnung trifft die Begutachtungsstelle nach der 5. Auflage der Beurteilungskriterien von 2026. Rechtlicher Ausgangspunkt ist § 14 der Fahrerlaubnis-Verordnung; Anlage 4 Nr. 9.6 betrifft die Dauerbehandlung mit Arzneimitteln, wenn sie zu Vergiftung oder Leistungsbeeinträchtigung führt. Fragen zur Behandlung selbst gehören zur behandelnden ärztlichen Stelle, nicht in ein Lexikon.
In deutschen Abstinenzkontrollen wird nach der Praxistabelle zu den CTU-Kriterien mit 100 pg/mg gearbeitet, während das internationale Konsenspapier 200 pg/mg nennt und die schweizerische Liste 500 pg/mg. Ein Befund ist immer im Verhältnis zum angewandten Regelwerk zu lesen.
EDDP entsteht ausschließlich im Körper aus Methadon und belegt damit einen tatsächlich abgelaufenen Stoffwechsel. Der Analyt sichert einen Methadonbefund ab und ist im Substitutionskontext von zentraler Bedeutung.
Nicht zuverlässig. Opiat-Screenings erkennen Methadon, Buprenorphin, Fentanyl, Oxycodon und Hydrocodon nicht sicher; die Substanz muss deshalb gezielt angefordert werden.
Deutsche Laborangaben nennen für Methadon und EDDP bis zu sieben Tage. Die genaue Dauer hängt vom Einzelfall ab; eine allgemeingültige Einzelzahl gibt es nicht.
Synonyme und verwandte Bezeichnungen: Levomethadon als eigener Wirkstoff, EDDP als Hauptmetabolit. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar (2021), Liste der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (2024), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM mit den CTU-Kriterien, Fahrerlaubnis-Verordnung mit Anlage 4, Richtlinien der GTFCh.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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