LEXIKON

Alprazolam

Alprazolam ist ein Benzodiazepin und wird als verschreibungspflichtiger Arzneistoff eingesetzt. Für die Abstinenzkontrolle ist es aus einem bestimmten Grund heikel: Es gehört zu den Substanzen, die ein gruppenbezogenes Benzodiazepin-Screening häufig nicht erfasst.

Die Screening-Lücke bei Alprazolam

Benzodiazepin-Immunoassays sind auf Oxazepam als Leitsubstanz ausgerichtet. Genau daraus folgt eine bekannte Schwachstelle: Bei Lorazepam, Clonazepam und Alprazolam versagen diese Screenings häufig. Ein negatives Screening ist damit kein Nachweis dafür, dass keine Benzodiazepine eingenommen wurden. Wer eine entsprechende Verordnung hat, sollte sich also nicht darauf verlassen, dass ein unauffälliges Ergebnis die Sache erledigt – und wer eine Vorgeschichte mit diesen Stoffen hat, sollte auf eine gezielte Bestimmung hinwirken. Weitere Konstellationen dieser Art beschreibt der Eintrag falsch negativ.

Welche Werte gelten

Matrix und Regelwerk Wert
Benzodiazepine, Haar (deutsche CTU-Praxis) 50 pg/mg
Alprazolam und weitere Benzodiazepine, Haar (SGRM Schweiz 2024) 10 bis 20 pg/mg
Benzodiazepine, Urin-Screening 200 bis 300 ng/ml
Benzodiazepine, Urin-Bestätigung nach CTU 50 ng/ml

Das Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar (2021) führt Benzodiazepine ausdrücklich nicht auf – diese Lücke wird dort offen benannt. Die genannten Haar-Werte stammen deshalb aus der deutschen CTU-Praxis und aus der Schweizer Richtlinie. Im Urin ist die Nachweisdauer bei therapeutischer Anwendung in der Regel etwa drei Tage, bei langfristiger Einnahme bis zu sechs Wochen. Als Interferenzsubstanz im Benzodiazepin-Assay ist Pirfenidon mit einer Konzentration von 133.000 ng/ml beschrieben – ein Hinweis darauf, dass Kreuzreaktionen praktisch nur bei sehr hohen Konzentrationen auftreten.

Verordnete Einnahme: der entscheidende Unterschied

Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung stellen in Kapitel 3.14.1 klar, dass die Nichteignung nicht gilt, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. Voraussetzung ist die vollständige Offenlegung: Verordnung, Indikation, Dosierung und behandelnde Praxis gehören in die Unterlagen, siehe Arzneimittelverordnung. Anlage 4 FeV verneint die Eignung dagegen bei missbräuchlicher Arzneimitteleinnahme (Nummer 9.4) und bei einer Dauerbehandlung, die zu Vergiftung oder Leistungsbeeinträchtigung führt (Nummer 9.6). Folgen einer indizierten ärztlichen Dauermedikation werden in der 5. Auflage der Beurteilungskriterien über die M-Hypothesen bewertet.

Der Sonderfall der niedrig dosierten Dauereinnahme

Die Begutachtungsleitlinien unterscheiden in einer eigenen Fußnote den Fehlgebrauch mit Abhängigkeitsgefahr vom regelmäßigen abendlichen Gebrauch kleiner Mengen. Letzterer führt in der Regel nicht zur Fahrunsicherheit, kann aber zu Abhängigkeit führen, da bereits nach einigen Monaten der Einnahme selbst kleiner Mengen eine sogenannte Low-Dose-Dependence eintreten kann. Diese Unterscheidung ist für die Begutachtung wichtiger als die reine Frage nach der Menge.

Häufige Fragen

Muss ich eine Alprazolam-Verordnung im Programm angeben?

Ja, und zwar vor Programmbeginn. Nur so lässt sich ein späterer Befund korrekt einordnen. Eine nachträgliche Erklärung wirkt regelmäßig schwächer als eine dokumentierte Verordnung.

Ist ein negatives Screening ein Beleg für Nichteinnahme?

Nein. Benzodiazepin-Screenings sind auf Oxazepam ausgerichtet und versagen bei Alprazolam häufig. Verlässlich ist nur die gezielte Bestätigungsanalyse mit einem massenspektrometrischen Verfahren.

Warum unterscheiden sich die Haar-Cut-offs zwischen Deutschland und der Schweiz?

Weil es für Benzodiazepine keinen international konsentierten Wert gibt. Die deutsche Praxis und die Schweizer Richtlinie setzen deshalb eigene Werte an. Maßgeblich ist der Wert, den das beauftragte Labor validiert hat und im Befund ausweist.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Alprazolam-Präparate, Triazolobenzodiazepin. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar (2021), SGRM-Richtlinie 2024, deutsche CTU-Cut-off-Werte, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, Fahrerlaubnis-Verordnung mit Anlage 4.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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