LEXIKON

Selektivität

Selektivität ist die Fähigkeit eines Analyseverfahrens, den Zielanalyten neben der Matrix und neben Begleitsubstanzen sicher zu erfassen. Sie beschreibt also nicht, wie oft ein Verfahren richtig liegt, sondern ob es überhaupt den richtigen Stoff misst. Damit ist sie die Grundeigenschaft, auf der alle weiteren Kenngrößen aufbauen.

Abgrenzung zu Sensitivität und Spezifität

Die drei Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen aber Verschiedenes. Selektivität ist eine Eigenschaft der Methode gegenüber der Probe. Sensitivität und Spezifität sind dagegen Trefferquoten: der Anteil richtig positiver beziehungsweise richtig negativer Befunde.

Kenngröße Was sie beschreibt
Selektivität Erfassung des Zielanalyten neben Matrix und Begleitstoffen
Sensitivität Anteil richtig positiver Befunde
Spezifität Anteil richtig negativer Befunde

Warum der Immunoassay nur gruppenselektiv ist

Ein Immunoassay arbeitet klassenbezogen über Antikörperbindung. Er erkennt eine Substanzgruppe, nicht den einzelnen Stoff, und bindet deshalb auch strukturell ähnliche oder zufällig passende Moleküle. Daraus entstehen Kreuzreaktionen: Im Cannabinoid-Assay ist Raltegravir ab etwa 339,5 ng/ml als Interferenz dokumentiert, im Opiat-Assay Rifampicin ab etwa 2.521 ng/ml, im Fentanyl-Assay Risperidon ab etwa 3.500 ng/ml. Das ist kein Fehler des Geräts, sondern die Folge begrenzter Selektivität.

Wie chromatographisch-massenspektrometrische Verfahren Selektivität herstellen

Bei der GC-MS trennt zuerst die Chromatographie nach Retentionszeit, danach identifiziert das Massenspektrum die Struktur. Bei der LC-MS/MS kommen definierte MRM-Übergänge hinzu, also Kombinationen aus Vorläufer- und Produktion. Zwei unabhängige Merkmale zugleich zu treffen ist für eine Störsubstanz sehr unwahrscheinlich – daher die hohe Selektivität. Der Anhang C der GTFCh-Richtlinien lässt für Haar folgerichtig nur eine GC- oder eine HPLC-Methode in Verbindung mit einem massenspezifischen Detektor beziehungsweise einem Tandem-MS-System zu.

Grenzen: Matrixeffekte und Nachbaranalyte

Selektivität ist nie unbegrenzt. Matrixeffekte können Signale unterdrücken oder verstärken, und eng verwandte Analyte verlangen besondere Sorgfalt. Ein Beispiel ist die Abgrenzung von Heroinkonsum: Sie muss über 6-Monoacetylmorphin und Heroin selbst gegen Codein- und Morphinkonsum geführt werden. Ein anderes ist Cocaethylen, das nur bei gleichzeitigem Kokain- und Ethanolkonsum entsteht und deshalb nur dann eine Aussage trägt, wenn es sicher von verwandten Verbindungen unterschieden wird. Der Nachweis ausreichender Selektivität gehört zur Validierung jeder Methode.

Häufige Fragen

Ist Selektivität dasselbe wie Spezifität?

Nein. Selektivität beschreibt die Eigenschaft der Methode, den richtigen Stoff zu erfassen. Spezifität ist eine statistische Größe und gibt den Anteil richtig negativer Befunde an. Eine hoch selektive Methode erreicht in der Regel eine hohe Spezifität, die Begriffe bleiben aber getrennt.

Kann ein Screening durch ein zweites Screening abgesichert werden?

Nein. Die Richtlinien der GTFCh stellen ausdrücklich fest, dass ein immunchemisches Analysenergebnis nicht durch einen zweiten Immunoassay bestätigt werden kann. Erforderlich ist ein unabhängiges, identifizierendes Verfahren.

Verwandte Begriffe

  • Bestätigungsanalyse – das hochselektive Verfahren, das den Befund trägt
  • Messmethode – bestimmt das erreichbare Maß an Selektivität
  • Falsch positiv – die typische Folge unzureichender Selektivität
  • Matrix – das Umfeld, gegen das sich der Analyt behaupten muss
  • Derivatisierung – ein Schritt, der die Erfassbarkeit polarer Analyte verbessert

Synonym: analytische Selektivität. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Richtlinien der GTFCh einschließlich Anhang C, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, DIN EN ISO/IEC 17025:2018.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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