LEXIKON

Psilocin

Psilocin ist der psychoaktiv wirksame Metabolit von Psilocybin und damit die Substanz, die in halluzinogenen Pilzen die Wirkung trägt. Für Abstinenzkontrollprogramme ist sie ein Sonderfall: Weder das Konsenspapier zu Drogen im Haar noch die deutschen CTU-Tabellen nennen für Psilocin einen Cut-off.

Verhältnis zu Psilocybin

Die beiden Stoffe werden häufig gleichgesetzt, sind es aber nicht. Psilocybin ist die in den Pilzen enthaltene Ausgangsverbindung; Psilocin entsteht daraus im Körper und ist der eigentliche Wirkstoff. Für die Analytik hat das dieselbe Bedeutung wie bei anderen Substanzpaaren: Der Nachweis des Metaboliten spricht für eine tatsächliche Aufnahme und Verstoffwechselung, während die Muttersubstanz allein diese Aussage nicht in gleicher Weise trägt. Dieselbe Systematik liegt der Abgrenzung von Heroin über 6-Monoacetylmorphin oder der Bestätigung eines Kokainkonsums über Benzoylecgonin und Norkokain zugrunde.

Analytik ohne Konsenswert

Das Konsenspapier der Society of Hair Testing von 2021 führt Cut-offs unter anderem für Opiate, Kokain, Amphetamine, Cannabinoide, Tramadol, Oxycodon, Methadon, Buprenorphin und Ketamin. Psilocin steht dort nicht, und auch die deutsche CTU-Tabelle enthält keinen Wert. Untersucht werden kann der Stoff dennoch – dann gegen die laborinterne, validierte Bestimmungsgrenze nach den Anforderungen der GTFCh und nur, wenn er ausdrücklich in die Nachweisstrategie aufgenommen wurde. Ein Standardpanel erfasst ihn nicht. Zur Bestätigung sind auch hier chromatographische Verfahren mit massenspektrometrischer Detektion erforderlich; ein Immunoassay allein genügt nach den Regeln der GTFCh nie.

Fahreignungsrechtliche Einordnung

Psilocin unterfällt dem Betäubungsmittelrecht. Damit greifen § 14 FeV und Anlage 4 Nummer 9 der Fahrerlaubnis-Verordnung: Nummer 9.1 verneint die Eignung bei Einnahme von Betäubungsmitteln, Nummer 9.5 eröffnet die Wiederherstellung nach einjähriger Abstinenz. Die Begutachtungsleitlinien verlangen dazu in Kapitel 3.14.1 mindestens vier unvorhersehbar anberaumte Laboruntersuchungen in unregelmäßigen Abständen innerhalb der Jahresfrist; die Beurteilungskriterien konkretisieren Dauer und Kontrollzahl weiter. Die 5. Auflage fasst den Drogenbegriff ihrer Vorbemerkung ausdrücklich weit und schließt alle psychoaktiven Substanzen nach Anlage 4 Ziffer 9.1 bis 9.3 ein.

Häufige Fragen

Wird Psilocin bei einer Standardhaaranalyse gefunden?

Nein. Ohne ausdrückliche Beauftragung ist der Stoff nicht Teil des Untersuchungsspektrums.

Gibt es einen Grenzwert für Psilocin?

Das Konsenspapier 2021 nennt keinen, ebenso wenig die deutsche CTU-Praxis. Maßgeblich ist die validierte Bestimmungsgrenze des jeweiligen Labors.

Wie unterscheidet sich Psilocin von Psilocybin im Befund?

Psilocin ist das körpereigene Abbauprodukt und damit der aussagekräftigere Nachweis einer Aufnahme. Beide Stoffe können gezielt untersucht werden.

Verwandte Begriffe

Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen im Haar (2021), Richtlinien der GTFCh, Fahrerlaubnis-Verordnung, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (Stand 01.06.2022), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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