LEXIKON

Bleicheffekt

Der Bleicheffekt beschreibt den Verlust eingelagerter Marker aus dem Haar durch oxidative Aufhellung. Für die Abstinenzkontrolle ist er der gravierendste kosmetische Störfaktor überhaupt: Eine Bleichung kann einen Befund so weit absenken, dass ein negatives Ergebnis nichts mehr beweist.

Wie stark der Verlust ausfällt

Für Ethylglucuronid ist der Effekt quantifiziert. In einer In-vitro-Untersuchung über 45 Minuten Bleichung gingen zwischen 42 und 99 % des extrahierbaren EtG verloren. Eine Frankfurter Untersuchung zu kosmetischen Behandlungen fand nach permanenten Verfahren nur noch rund 18 % des ursprünglichen EtG-Gehalts – also einen Rückgang um etwa vier Fünftel. Zum Vergleich dieselbe Untersuchungsreihe für schonendere Behandlungen:

Behandlung Verbliebener Anteil des ursprünglichen EtG
Tönung 70 %
Semipermanente Färbung 42 %
Henna 38 %
Permanente Verfahren 18 %

Warum ausgerechnet EtG so empfindlich ist

EtG ist eine kleine, gut wasserlösliche und saure Verbindung ohne nennenswerte Bindung an Haarpigmente. Oxidative und alkalische Prozesse öffnen die Cuticula und schwemmen den Marker aus. Die Society of Hair Testing hält ausdrücklich fest, dass chemische und thermische Haarbehandlungen die Konzentration von EtG und Ethylpalmitat beeinflussen können – und dass die Art der Behandlung zu dokumentieren ist. Umgekehrt gilt: Haarspray, Gel, Wachs, Öl und ethanolhaltige Pflegeprodukte beeinflussen EtG nicht. Bei Ethylpalmitat liegt der Fall anders, dort können ethanolhaltige Pflegeprodukte den Wert sogar erhöhen.

Was das für die Anerkennung bedeutet

Die deutsche Praxis ist eindeutig: Bei Alkohol wird ein Beleg über eine getönte, gefärbte oder gebleichte Haarprobe nicht anerkannt. Bei Betäubungsmitteln werden colorierte Haare nur akzeptiert, wenn parallel ein Urinprogramm läuft oder unbehandeltes Haar für die letzten sechs Monate vorliegt; gebleichte Haare sind grundsätzlich ausgeschlossen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Messwert: Eine nicht deklarierte Behandlung macht einen negativen Befund nach den CTU-Kriterien unverwertbar, weil die Grundlage der Interpretation fehlt.

Praktische Konsequenz für ein laufendes Programm

Wer ein Haarprogramm plant, sollte kosmetische Aufhellungen für den gesamten Nachweiszeitraum unterlassen – bei EtG umfasst ein Segment bis zu drei Monate, bei Betäubungsmitteln bis zu sechs. Eine bereits erfolgte Behandlung muss bei der Entnahme angegeben werden; das Verschweigen verlagert das Problem nur vom Labor in die Begutachtung. Wenn eine Behandlung unvermeidlich war, ist ein Wechsel auf ein Urinprogramm oder auf PEth im Blut der sauberere Weg.

Häufige Fragen

Kann Bleichen einen positiven Befund negativ machen?

Der Messwert sinkt tatsächlich erheblich. Ein dadurch entstandenes negatives Ergebnis wird aber nicht anerkannt, weil gebleichtes Haar für den Abstinenzbeleg ausgeschlossen ist und die Behandlung dokumentiert werden muss.

Wie lange nach dem Bleichen ist eine Haaranalyse wieder möglich?

So lange, bis ausreichend unbehandeltes Haar nachgewachsen ist. Bei einer Rechengröße von etwa einem Zentimeter Kopfhaarwachstum pro Monat sind das für ein Drei-Zentimeter-Segment rund drei Monate, für sechs Zentimeter entsprechend länger.

Gilt das auch für Blondiersträhnen?

Auch eine teilweise Aufhellung ist eine oxidative Behandlung und gehört in die Dokumentation. Ob eine verwertbare Strähne unbehandelten Haares entnommen werden kann, entscheidet die entnehmende Stelle.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Bleichverlust, Auswascheffekt durch Blondierung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Petzel-Witt et al. (Drug Testing and Analysis 2018), Ammann (Dissertation HU Berlin 2017), Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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