LEXIKON

Polytoxikomanie

Polytoxikomanie bezeichnet den Konsum mehrerer psychoaktiver Substanzen nebeneinander – etwa Alkohol zusammen mit Kokain oder Cannabis zusammen mit Partydrogen. Für ein Abstinenzkontrollprogramm hat das eine unmittelbare Folge: Der Nachweis muss dann alle betroffenen Stoffgruppen abdecken, nicht nur die Substanz, die zum Anlass geworden ist.

Wo der Begriff im Regelwerk auftaucht

Die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung nennen die Polytoxikomanie in Kapitel 3.14.1, das Betäubungsmittel und Arzneimittel behandelt. Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien enthält zum Kriterium A 2.7 N – dem therapeutisch begleiteten kontrollierten Trinken – ausdrücklich Klarstellungen zur Polytoxikomanie. Sie fasst zudem den Drogenbegriff ihrer Vorbemerkung weiter: Erfasst sind alle psychoaktiven Substanzen nach Anlage 4 Ziffer 9.1 bis 9.3 der Fahrerlaubnis-Verordnung, also Betäubungsmittel nach dem BtMG, neue psychoaktive Stoffe nach dem NpSG, andere Stoffe mit Rauschwirkung und Cannabis.

Was das für die Nachweisführung bedeutet

Kommt zu einer Alkohol- oder Cannabisproblematik weiterer Drogenkonsum hinzu, ist nach der 5. Auflage eine polytoxikologische Untersuchung nach den CTU-Kriterien vorgesehen. Praktisch heißt das: ein breites Analysenspektrum statt einer Einzelfragestellung. Bei Alkohol mit wirkungsverstärkendem Cannabiskonsum sieht die 5. Auflage zusätzlich zu den zwölf Monaten Alkoholnachweis drei bis vier Monate THC- beziehungsweise THC-COOH-Belege vor der Begutachtung vor. Zugleich gilt eine wichtige Einschränkung: Moderater Cannabiskonsum zählt nach Kriterium A 3.3 K nicht als Mischkonsum, und Mischkonsum mit Cannabis ist nicht mehr unbedingt ein Hinweis auf eine Suchtverlagerung. Details zur Spektrumsfestlegung stehen unter Nachweisstrategie.

Marker, die Mischkonsum sichtbar machen

Manche Befunde belegen den Mischkonsum unmittelbar. Cocaethylen entsteht ausschließlich bei gleichzeitigem Kokain- und Ethanolkonsum und ist damit ein spezifischer Marker; in einer 2023 veröffentlichten Untersuchung waren 68 von 158 kokainpositiven Proben zugleich EtG-positiv, und in allen sieben doppelt positiven Urinproben ließ sich Cocaethylen nachweisen, im Bereich von 1,3 bis 150 ng/ml. Auch die BASt nennt die häufige Kombination von Cannabis mit mindestens einer weiteren psychoaktiven Substanz einschließlich Alkohol als Indiz für fehlendes adäquates Trennverhalten.

Häufige Fragen

Muss bei Mehrfachkonsum immer breit untersucht werden?

Bei zusätzlichem Drogenkonsum sieht die 5. Auflage eine polytoxikologische Untersuchung nach den CTU-Kriterien vor. Der Umfang wird über die behördliche Fragestellung und den Vertrag festgelegt.

Zählt gelegentlicher Cannabiskonsum als Mischkonsum?

Moderater Cannabiskonsum zählt nach der 5. Auflage nicht als Mischkonsum. Maßgeblich bleibt die Gesamtwürdigung des Konsummusters.

Ist Polytoxikomanie dasselbe wie Abhängigkeit?

Nein. Der Begriff beschreibt das Konsummuster mehrerer Substanzen; ob eine Abhängigkeit vorliegt, richtet sich nach den diagnostischen Kriterien und wird gesondert beurteilt.

Verwandte Begriffe

Verwandte Bezeichnungen: Mehrfachkonsum, Mischkonsum. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung (Stand 01.06.2022), Infoblatt der BASt zu Cannabis, publizierte Daten zu Cocaethylen.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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