LEXIKON

Hustenmittel

Hustenmittel sind Arzneistoffe gegen Reizhusten oder zur Schleimlösung, von denen ein Teil Codein oder Dihydrocodein enthält. Genau diese Wirkstoffe machen sie für Abstinenzkontrollen bedeutsam: Codein wird im Körper teilweise zu Morphin umgewandelt und kann deshalb einen Opiatbefund erzeugen, ohne dass ein Betäubungsmittel im umgangssprachlichen Sinn eingenommen wurde.

Der Weg von Codein zu Morphin

Codein ist selbst ein Opiat und wird über ein Leberenzym zu einem Anteil in Morphin umgewandelt; wie groß dieser Anteil ist, unterscheidet sich individuell erheblich. Analytisch bedeutet das: Nach der Einnahme eines codeinhaltigen Hustenmittels können sowohl Codein als auch Morphin nachweisbar sein. Ein Morphinbefund allein belegt daher nicht den Konsum von Morphin als solchem. Zur Abgrenzung vom Heroinkonsum dient ein anderer Stoff: Das Konsenspapier der Society of Hair Testing verlangt, Heroinkonsum über 6-Monoacetylmorphin und/oder Heroin von einem Codein- oder Morphinkonsum abzugrenzen.

Die maßgeblichen Werte

Analyt und Matrix Wert
Morphin, Codein, Dihydrocodein im Haar, Society of Hair Testing 200 pg/mg
6-Monoacetylmorphin und Heroin im Haar 200 pg/mg
Morphin im Haar, deutsche CTU-Praxis 100 pg/mg
Opiate im Urin, Screening deutscher Routinelabore 300 ng/ml
Morphin im Urin, deutsche CTU-Bestätigung 25 ng/ml

Der deutsche Bestätigungswert von 25 ng/ml ist bemerkenswert niedrig; der US-Bundesstandard liegt für Morphin und Codein bei 2.000 ng/ml. Deshalb fallen hierzulande Quellen ins Gewicht, die anderswo unbeachtet blieben – das gilt für Mohnverzehr ebenso wie für codeinhaltige Arzneistoffe.

Was Screenings hier leisten und was nicht

Opiat-Screenings sind auf Morphinabkömmlinge zugeschnitten und sprechen auf Codein und Dihydrocodein an. Sie erfassen dagegen Fentanyl, Methadon, Buprenorphin, Oxycodon und Hydrocodon nicht zuverlässig. Umgekehrt sind Interferenzen bekannt: Für Dextromethorphan, einen häufigen nicht opioiden Hustenstiller, ist eine Kreuzreaktion im Opiat-Assay ab 400.000 ng/ml beschrieben; für Diphenhydramin ab über 50.000 ng/ml und für Rifampicin ab 2.521 ng/ml. Ein hinweisgebendes Ergebnis muss deshalb stets durch ein zweites unabhängiges, spezifisches und identifizierendes Verfahren bestätigt werden.

Offenlegung und fahreignungsrechtliche Einordnung

Codeinhaltige Hustenmittel sind verschreibungspflichtig. Wer sie einnimmt, sollte die Verordnung der durchführenden Stelle vor der nächsten Kontrolle mitteilen und die Unterlagen aufbewahren. Kapitel 3.14.1 der Begutachtungsleitlinien hält fest, dass die Verneinung der Eignung nicht gilt, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. Die Bewertung einer länger dauernden ärztlichen Medikation erfolgt nach der 5. Auflage über die M-Hypothesen. Ohne Verordnung dagegen wird ein Opiatbefund wie ein unerklärter Betäubungsmittelnachweis behandelt.

Häufige Fragen

Darf ich während eines Programms ein Hustenmittel nehmen?

Grundsätzlich ja, wenn es ärztlich verordnet oder empfohlen ist und Sie es der durchführenden Stelle mitteilen. Wo eine codeinfreie Alternative in Betracht kommt, ist sie aus Sicht des Kontrollprogramms die unkompliziertere Wahl – die Entscheidung trifft die behandelnde ärztliche Stelle.

Kann ein freiverkäuflicher Hustenstiller einen Befund auslösen?

Für Dextromethorphan ist eine Kreuzreaktion im Opiat-Screening erst bei sehr hohen Konzentrationen beschrieben. Ein solches Signal ist hinweisgebend und wird durch die Bestätigungsanalytik geklärt.

Wie unterscheidet das Labor Codein von Heroin?

Über die Metaboliten: Ein Nachweis von 6-Monoacetylmorphin oder Heroin spricht für Heroin, während Codein und Morphin allein auch aus einem codeinhaltigen Arzneistoff stammen können.

Verwandte Begriffe

Zur verkehrsrechtlichen Seite der Opiatproblematik siehe den Beitrag Opiate auf unserer Schwesterseite.

Synonyme: Antitussiva, Hustenblocker. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing 2021, deutsche CTU-Grenzwerte, Richtlinien der GTFCh, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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