LEXIKON

Dihydrocodein

Dihydrocodein ist ein Opioid, das als Hustenmittel und Schmerzmittel verordnet und auch in der Substitutionsbehandlung eingesetzt wird. In der Abstinenzkontrolle ist es doppelt heikel: Es fällt in dieselbe Analysengruppe wie Morphin und Codein und muss deshalb sauber von einem Heroinkonsum abgegrenzt werden.

Ein Cut-off für drei Wirkstoffe

Das Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen aus dem Jahr 2021 nennt für Morphin, Codein und Dihydrocodein einheitlich 200 pg/mg im Kopfhaar; für 6-Monoacetylmorphin und Heroin gilt derselbe Wert. Cut-offs beziehen sich auf Segmente von höchstens drei Zentimetern; bei längeren Segmenten ist die Verdünnung des Signals zu berücksichtigen. Die deutsche CTU-Praxis arbeitet für Morphin im Haar mit 100 pg/mg und im Urin mit einem Bestätigungswert von 25 ng/ml; das Immunoassay-Screening für Opiate liegt bei 300 ng/ml. Die Zahlen unterscheiden sich also je nach Regelwerk, und ein Befund ist nur zusammen mit dem angewandten Maßstab lesbar.

Abgrenzung: woher stammt der Befund?

Ein positiver Opiatbefund sagt zunächst nichts über die Quelle. Das Konsenspapier verlangt deshalb, einen Heroinkonsum über 6-Monoacetylmorphin und/oder Heroin selbst von einem Codein- oder Morphinkonsum abzugrenzen. Hinzu kommt der Nahrungsmittelpfad: Nach zwei Wochen moderatem Mohnverzehr wurden im Bart- und Kopfhaar Morphinwerte von 96 beziehungsweise 58 pg/mg gemessen – unter dem internationalen Cut-off von 200 pg/mg, aber im Bereich des deutschen CTU-Werts von 100 pg/mg. Genau deshalb gehört der Verzicht auf Mohngebäck zu den üblichen Programmauflagen.

Kreuzreaktionen im Opiat-Screening

Gruppenbezogene Opiat-Immunoassays zeigen dokumentierte Interferenzen. Beschrieben sind Rifampicin ab etwa 2.521 ng/ml, Diphenhydramin ab mehr als 50.000 ng/ml, Levofloxacin ab etwa 434.000 ng/ml und Dextromethorphan ab etwa 400.000 ng/ml. Ebenso wichtig ist die Gegenrichtung: Opiat-Screenings erfassen Fentanyl, Methadon, Buprenorphin, Oxycodon und Hydrocodon nicht zuverlässig. Ein unauffälliges Gruppenergebnis ist deshalb kein Beleg für Opioidfreiheit, und ein positives Ergebnis muss durch ein zweites, unabhängiges und identifizierendes Verfahren bestätigt werden.

Verordnung und fahreignungsrechtlicher Rahmen

Wird Dihydrocodein verordnet, greift der Grundsatz aus Kapitel 3.14.1 der Begutachtungsleitlinien: Die Nichteignung gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt. Voraussetzung ist die vorherige Offenlegung mit Indikation, Dosierungsschema und Verordnungszeitraum. Ohne Verordnung führt der Weg über § 14 FeV und Anlage 4 Nummer 9.1; nach Entzugsbehandlung und suchtspezifischer Rehabilitation ist nach Nummer 9.5 in der Regel eine einjährige Abstinenz nachzuweisen. Wird der Wirkstoff im Rahmen einer Substitution eingesetzt, gilt der strenge Maßstab der Leitlinien für Substitutionsbehandlungen.

Häufige Fragen

Kann ein Hustensaft einen positiven Opiatbefund erzeugen?

Ein codein- oder dihydrocodeinhaltiges Präparat enthält genau die Substanzen, auf die geprüft wird. Der Befund ist dann kein Fehler, sondern erwartbar – und nur mit dokumentierter Verordnung erklärbar.

Wie unterscheidet das Labor Verordnung und illegalen Konsum?

Analytisch gar nicht. Die Unterscheidung erfolgt über die Dokumentation der Verordnung und über die Abgrenzungsmarker, die einen Heroinkonsum ausschließen oder belegen.

Wie lange sind Opiate im Urin nachweisbar?

Deutsche Laborangaben nennen für Opiate etwa bis zu drei Tage; nach starkem chronischem Konsum sind für Heroinmetaboliten bis zu elf Tage beschrieben. Im Haar gilt die Anerkennungsregel von einem Monat pro Zentimeter, maximal sechs Monate.

Verwandte Begriffe

  • Codein – der eng verwandte Wirkstoff mit demselben Cut-off
  • Morphin – der zentrale Analyt der Opiatgruppe
  • 6-Monoacetylmorphin – der Marker zur Heroinabgrenzung
  • Hustenmittel – die häufigste Verordnungsquelle
  • Mohn – der belegte Nahrungsmittelstörfaktor

Weiterführend: Opiate im MPU-Verfahren. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Konsenspapier der Society of Hair Testing zu Drogen 2021, deutsche CTU-Praxis, Rochholz et al. (Blutalkohol 2004), Richtlinien der GTFCh, Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der BASt, Stand 01.06.2022, Fahrerlaubnis-Verordnung § 14 und Anlage 4.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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