LEXIKON

Befundanforderung

Die Befundanforderung ist der förmliche Auftrag, mit dem eine toxikologische Untersuchung im Abstinenzkontrollprogramm ausgelöst wird: Sie legt fest, welche Matrix untersucht wird, auf welche Substanzen geprüft wird und auf welchen Zeitraum sich das Ergebnis bezieht. Sie steht ganz am Anfang der Kette und entscheidet mit darüber, ob ein späterer Befund im Fahreignungsverfahren überhaupt trägt.

Drei Ebenen: behördliche Fragestellung, Programmvertrag, Laborauftrag

Die Fahrerlaubnisbehörde formuliert die Fragestellung. Aus ihr ergibt sich, welche Substanzgruppen überhaupt von Interesse sind und ob Alkohol, Betäubungsmittel oder beides zu belegen sind. Die betroffene Person schließt anschließend ein vertragliches Kontrollprogramm ab. Erst daraus entsteht die einzelne Anforderung, die als Laborauftrag die konkrete Probe begleitet. Wird auf dieser dritten Ebene am Anlass vorbei angefordert, entsteht ein analytisch einwandfreier, im Verfahren aber unbrauchbarer Befund – und der bereits verstrichene Zeitraum lässt sich nicht nachträglich belegen.

Welche Angaben die Anforderung tragen muss

Die CTU-Kriterien verlangen eine lückenlose Verknüpfung von Person, Probe und Auftrag. Dazu gehören die bei jeder Kontrolle geprüfte Probenidentität mit Lichtbildausweis, Datum und Art der Entnahme sowie der laborinterne Code. Bei Haarproben kommen die Entnahmestelle am Hinterhauptshöcker, die Markierung des kopfnahen Endes, die verbliebene Restlänge und die Angabe zu kosmetischen Behandlungen hinzu. Nicht deklarierte Haarkosmetik macht einen negativen Befund nach den CTU-Kriterien unverwertbar. Die Angaben werden im Rahmen der Kette des Verbleibs dokumentiert und sind auf die beteiligten Personen rückführbar.

Gezielt oder polytoxikologisch anfordern

Der Umfang ist keine Geschmacksfrage. Nach der DGVM-Auskunft vom 30.04.2024 kann die Analyse bei einer reinen Cannabisfragestellung auf Cannabinoide beschränkt werden; im Haar ist dann direkt auf THC-Carbonsäure zu prüfen, weil Passivexposition und falsch-positive THC-Befunde zugenommen haben. Ein polytoxikologisches Screening ist vorgesehen, wenn die Vorgeschichte auch andere Substanzen ausweist. Für verordnete Arzneistoffe gilt: Sie gehören in die Anforderung, damit ein späterer Nachweis nicht als unerklärter Positivbefund erscheint.

Was die 5. Auflage der Beurteilungskriterien geändert hat

Mit der Umstellung auf die 5. Auflage wurden die Laborauftragsformulare bis Anfang Juni 2026 nach den CTU-Kriterien umgestaltet, die Arzneistoffliste bis Ende Mai 2026 überarbeitet und die Handhabung von Substitutionspatienten und Morphin in den Qualitätsmanagementsystemen bis Anfang Juni 2026 klargestellt. Wer eine ältere Formularversion vorgelegt bekommt, sollte nachfragen.

Häufige Fragen

Kann ich die Befundanforderung selbst ausfüllen?

Nein. Auftraggeber ist die durchführende Stelle, nicht die untersuchte Person. Angaben zu Arzneistoffen, Erkrankungen und Haarbehandlungen werden zwar von der betroffenen Person erhoben, aber von der Stelle in die Anforderung übernommen und dokumentiert.

Was passiert, wenn die falsche Substanzgruppe angefordert wurde?

Der Befund bleibt analytisch gültig, beantwortet aber die Frage der Behörde nicht. Eine Nachforderung aus derselben Probe ist nur möglich, solange Material und Aufbewahrungsfrist es zulassen; sonst entsteht eine Beleglücke im Nachweiszeitraum.

Wer sieht die Anforderung später?

Sie ist Teil der Falldokumentation und wird zusammen mit dem Befundbericht nachvollziehbar gehalten. Die Begutachtungsstelle kann anhand der Anforderung prüfen, ob Fragestellung, Analysenumfang und Zeitraum zueinander passen.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Untersuchungsauftrag, Analysenanforderung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM (CTU-Kriterien), Richtlinien der GTFCh, DIN EN ISO/IEC 17025, DGVM-Auskunft vom 30.04.2024.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

← Zurück zum Lexikon (Buchstabe B)

Betrifft Sie das konkret?

Dieser Artikel erklärt einen Fachbegriff — er ersetzt kein Gespräch über Ihren Fall.

Wenn Sie wissen wollen, was das für Ihre Haaranalyse oder Ihren Abstinenznachweis bedeutet: Rufen Sie an oder nutzen Sie das Kontaktformular.