LEXIKON

Abstinenzunterbrechung

Eine Abstinenzunterbrechung ist jede Zeitspanne, die im Nachweis nicht abgedeckt ist – sei es, weil tatsächlich konsumiert wurde, sei es, weil eine Kontrolle ausgefallen oder unverwertbar ist. Beide Fälle haben unterschiedliche Folgen, und beide sind zu unterscheiden.

Formale Lücke und inhaltlicher Rückfall

Die formale Lücke betrifft die Beweiskette. Bei Haaranalysen darf der Abstand zwischen zwei Nachweisfenstern höchstens zwei Wochen betragen; wird er größer, entsteht eine Beleglücke, die der Beleg nicht mehr trägt. Der inhaltliche Rückfall betrifft das Verhalten selbst. Beides kann getrennt voneinander auftreten: Wer eine Kontrolle versäumt, ist deshalb nicht rückfällig – verwertbar ist der Zeitraum trotzdem nicht mehr.

Was zum Programmabbruch führt

Die CTU-Kriterien sind an dieser Stelle streng. Nichterscheinen, Nichterreichbarkeit und verspätetes Erscheinen führen zum Programmabbruch, und einen Ersatztermin gibt es nicht. Bei Krankheit ist eine ärztliche Reiseunfähigkeitsbescheinigung erforderlich – eine bloße Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung genügt nicht. Sie ist am Terminmorgen anzukündigen und innerhalb von drei Werktagen vorzulegen. Bei häufigem Fehlen ist der Abbruch auch mit Attest möglich. Auf der analytischen Seite gilt seit der 5. Auflage der Beurteilungskriterien: Verdünnte Urinproben sind kein Abstinenzbeleg, und höchstens eine verdünnte Probe darf unmittelbar aufeinanderfolgen. Der Kreatininwert muss mindestens 20 mg/dl betragen; er darf höchstens zweimal unterschritten werden, und bei Werten von 5,6 mg/dl oder darunter wird das Programm sofort beendet.

Die Folgen: neuer Vertrag, neuer Startzeitpunkt

Nach einem Abbruch beginnt das Programm nicht dort, wo es aufgehört hat. Es bedarf eines neuen Vertrags mit neuem Startzeitpunkt, und frühere Ergebnisse werden nicht angerechnet. Das ist die praktisch härteste Konsequenz einer Unterbrechung: Nicht die einzelne verpasste Kontrolle kostet Zeit, sondern der Verlust des gesamten bisherigen Zeitraums. Wer absehbar in Schwierigkeiten kommt – Reise, Operation, Krankenhausaufenthalt –, sollte das vorher mit der durchführenden Stelle abstimmen, statt hinterher zu erklären.

Wie ein kurzzeitiger Rückfall bewertet wird

Die 5. Auflage der Beurteilungskriterien kennt den kurzzeitigen Rückfall als eigenes Kriterium: ein zeitlich eng begrenzter Vorfall in der Phase der Veränderung, der aufgearbeitet wurde. Nach einem solchen Rückfall sind im Alkoholbereich in der Regel sechs Monate Abstinenz vor der Begutachtung nachzuweisen. Als Kontraindikatoren gelten unter anderem die Bagatellisierung ohne Neubewertung der eigenen Vorsätze, das Verlassen auf ein „Auffangnetz“, ein wieder in den Tagesablauf eingebauter regelmäßiger Konsum mit erneut aufgebauter Toleranz und die Überzeugung, der Vorfall habe die Widerstandskraft gestärkt. Entscheidend ist also nicht allein, dass etwas passiert ist, sondern wie es eingeordnet wird. Mehr dazu unter Rückfall und Rückfallprophylaxe.

Auffrischung nach einer zeitlichen Lücke

Auch ohne Rückfall kann eine Lücke entstehen, nämlich zwischen einem abgeschlossenen Programm und der Begutachtung. Liegt nach einem zwölfmonatigen Programm eine solche Lücke, sieht die 5. Auflage eine Auffrischung von drei bis vier Monaten vor, bei mehr als einem Jahr sechs Monate. Unabhängig davon kann die Begutachtungsstelle nachfordern, wenn ein einjähriger Beleg älter als vier Monate ist: drei weitere Kontrollen in vier Monaten oder eine Haaranalyse.

Häufige Fragen

Ich habe einen Termin verpasst. Ist alles verloren?

Bei Nichterscheinen ohne rechtzeitige Meldung sehen die CTU-Kriterien den Abbruch vor. Sprechen Sie umgehend mit der durchführenden Stelle und legen Sie vorhandene Nachweise fristgerecht vor. Ob ein Programm fortgeführt werden kann, entscheidet diese Stelle, nicht die betroffene Person.

Muss ich einen Rückfall im Gespräch offenlegen?

Ja. Ein verschwiegener Rückfall, der sich aus Befunden oder Widersprüchen ergibt, wiegt deutlich schwerer als ein aufgearbeiteter. Die Bewertung hängt maßgeblich davon ab, ob eine glaubhafte Neubewertung der eigenen Vorsätze erkennbar ist.

Zählt eine verdünnte Probe als Unterbrechung?

Sie zählt jedenfalls nicht als Abstinenzbeleg. Zwei verdünnte Proben hintereinander sind unzulässig, und bei sehr niedrigem Kreatinin wird das Programm sofort beendet. Ausreichende, aber nicht übermäßige Flüssigkeitsaufnahme vor einem Termin ist deshalb ein praktischer Punkt.

Verwandte Begriffe

Synonyme: Nachweislücke, Programmunterbrechung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM) mit den CTU-Kriterien, Fahrerlaubnis-Verordnung, Merkblätter akkreditierter Untersuchungsstellen.

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.

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