LEXIKON
Mundspülungen sind für Personen in einem Alkoholabstinenzprogramm eine der am besten belegten unbeabsichtigten Alkoholquellen: Hochprozentige Produkte können den Ethylglucuronid-Wert im Urin so weit anheben, dass er nach deutschem Maßstab auffällig wird – auch ohne jeden Alkoholkonsum.
In einer kontrollierten Untersuchung verwendeten zehn Probanden über dreieinviertel Tage hinweg viermal täglich eine hochprozentige Mundspülung. Ergebnis: In einer Probe wurden 173 ng/ml Ethylglucuronid gemessen. Ethylsulfat war bei sieben Probanden nachweisbar, mit Maximalwerten von 104 bis 112 ng/ml.
Nach dem in den USA gebräuchlichen Cut-off von 500 ng/ml waren diese Werte unauffällig. Der deutsche Entscheidungswert für den MPU-Abstinenzbeleg liegt jedoch bei 100 ng/ml – und damit wären dieselben Messwerte auffällig geworden. Für Ethylsulfat werden 50 ng/ml empfohlen, sodass auch dort die gemessenen Maximalwerte darüber gelegen hätten. Das ist der praktisch wichtigste Punkt zu diesem Thema: Nicht die Substanzmenge hat sich geändert, sondern der Maßstab, an dem gemessen wird.
Zum Vergleich die belegten Werte anderer unbeabsichtigter Quellen beim deutschen Cut-off von 100 ng/ml: Nach reichlich alkoholfreiem Bier von zwei bis drei Litern fielen Proben bis zu 13 Stunden positiv aus, nach Sauerkraut bis zu 5 Stunden, nach überreifen Bananen bis zu 3,5 Stunden; Traubensaft blieb negativ. Nach 24 Stunden lagen die Werte stets deutlich unter der Entscheidungsgrenze. Die Mundspülung sticht hervor, weil sie mehrmals täglich angewandt wird und der Alkohol dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Bei Händedesinfektionsmitteln entstehen positive Befunde übrigens nicht über die Haut, sondern über die Inhalation; konkrete Maximalkonzentrationen dazu sind nicht belegt und werden hier nicht genannt.
Während eines Alkoholkontrollprogramms sind alkoholfreie Mundpflegeprodukte die sichere Wahl. Weil zwischen Einbestellung und Probenabgabe höchstens 24 Stunden liegen, lässt sich eine Anwendung nicht terminbezogen einplanen – die Karenz gilt deshalb durchgehend. Wer ein alkoholhaltiges Produkt aus medizinischen Gründen anwenden muss, sollte das vorab gegenüber der durchführenden Stelle offenlegen.
Dafür liegen keine Daten vor. Belegt ist, dass ethanolhaltige Haarpflegeprodukte das Ethylpalmitat im Haar erhöhen können, während Ethylglucuronid im Haar davon nicht beeinflusst wird. Eine Aussage über Mundspülungen lässt sich daraus nicht ableiten.
Nicht allein aus dem Wert. Das Verhältnis von Ethylsulfat zu Ethylglucuronid kann Hinweise geben; auffällig grobe Abweichungen deuten auf eine äußere Quelle. Verlassen sollte man sich darauf nicht – die Vermeidung ist der sichere Weg.
Das ist eine zahnmedizinische Frage und gehört in die zahnärztliche Beratung. Aus Sicht der Abstinenzkontrolle geht es allein darum, eine vermeidbare Alkoholquelle auszuschließen.
Auch Mundwasser. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: publizierte Studien zur unbeabsichtigten Alkoholaufnahme, deutsche CTU-Cut-off-Tabellen, Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM), Kriterium CTU 3. Zum Marker selbst siehe den Beitrag zu EtG auf unserer Schwesterseite.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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