LEXIKON
Karenz bezeichnet im Abstinenzkontrollprogramm den zeitweiligen Verzicht auf Produkte, die ein Analysenergebnis verfälschen können – etwa mohnhaltige Backwaren, alkoholhaltige Lebensmittel, hochprozentige Mundspülungen oder ethanolhaltige Haarpflege. Sie ist kein moralisches Gebot, sondern eine Schutzmaßnahme für den eigenen Beleg.
Der Konsumverzicht richtet sich auf die Substanz, um die es im Verfahren geht. Die Karenz richtet sich auf alles, was analytisch wie diese Substanz aussehen kann, ohne Konsum zu sein. Wer Mohnbrötchen meidet, tut das nicht, weil Mohn eine Droge wäre, sondern weil der deutsche Bestätigungswert für Morphin im Urin bei 25 ng/ml liegt und damit in einem Bereich, den Nahrungsmittelmorphin erreichen kann.
Beim deutschen Entscheidungswert von 100 ng/ml Ethylglucuronid im Urin sind aus kontrollierten Untersuchungen folgende Zeitspannen belegt, in denen eine Probe nach unbeabsichtigter Aufnahme positiv ausfallen kann:
| Quelle | Positiv bis |
|---|---|
| Alkoholfreies Bier, 2 bis 3 Liter | 13 Stunden |
| Sauerkraut | 5 Stunden |
| Überreife Bananen | 3,5 Stunden |
| Traubensaft | blieb negativ |
Nach 24 Stunden lag der Wert in diesen Untersuchungen stets deutlich unter der Entscheidungsgrenze. Bei hochprozentiger Mundspülung wurden dagegen 173 ng/ml Ethylglucuronid in einer Probe gemessen – nach dem US-Cut-off von 500 ng/ml unauffällig, nach dem deutschen von 100 ng/ml nicht.
Beim Haar verschiebt sich der Fokus. Ethylglucuronid wird nach den Angaben der Society of Hair Testing durch Haarspray, Gel, Wachs, Öle und ethanolhaltige Pflegeprodukte nicht beeinflusst – wohl aber kann Ethylpalmitat durch ethanolhaltige Pflege ansteigen. Chemische und thermische Behandlungen senken den messbaren Gehalt teils erheblich; in Deutschland wird ein Alkoholbeleg über getöntes, gefärbtes oder gebleichtes Haar nicht anerkannt. Die praktische Karenz im Haarprogramm heißt deshalb: Haarkosmetik mit Farbwirkung zurückstellen und jede Behandlung dokumentieren lassen.
Weil die Einbestellung innerhalb von 24 Stunden erfolgt, lässt sich Karenz nicht terminbezogen planen. Sie gilt deshalb durchgehend für die gesamte Programmdauer. Die genannten Zeitfenster zeigen nur, wie schnell ein unbedachter Verzehr wirksam wird.
Belegt ist, dass positive Ethylglucuronid-Befunde nach Händedesinfektion über Inhalation entstehen, nicht über die Haut. Bei beruflich intensiver Anwendung gehört das in die Unterlagen; konkrete Maximalkonzentrationen liegen nicht belastbar vor.
Vorsicht ist angebracht, weil Zusammensetzung und Deklaration schwanken können. Bei Hanfprodukten gilt: Positive Befunde entstehen vor allem über den THC-Gehalt des Produkts, nicht über das Cannabidiol.
Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 (DGVP/DGVM), CTU-Kriterien 1 und 3, Konsenspapiere der Society of Hair Testing, Stellungnahme des BfR zu Mohnsamen sowie publizierte Studien zur unbeabsichtigten Alkoholaufnahme.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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