LEXIKON
Diurese bezeichnet die Harnausscheidung und damit die Wassermenge, mit der Stoffwechselprodukte den Körper verlassen. Für ein Urinkontrollprogramm ist sie der wichtigste physiologische Einflussfaktor auf die Verwertbarkeit einer Probe: Eine stark verdünnte Probe wird nicht als günstiges Ergebnis gewertet, sondern gar nicht.
Die CTU-Kriterien verlangen einen Kreatininwert von mindestens 20 mg/dl. Dieser Grenzwert darf höchstens zweimal unterschritten werden; bei Werten bis 5,6 mg/dl wird das Programm sofort abgebrochen, weil eine Manipulation anzunehmen ist. Ein Wert unter 0,3 g/l gilt als aktive Verdünnung. Die 5. Auflage hat die Handhabung verschärft: Verdünnte Proben sind kein Abstinenzbeleg, und höchstens eine verdünnte Probe darf unmittelbar aufeinanderfolgen. Ergänzend werden Temperatur, pH-Wert und optional das spezifische Gewicht geprüft.
| Prüfgröße | Anforderung |
|---|---|
| Kreatinin | mindestens 20 mg/dl |
| Temperatur direkt nach Abgabe | 34 bis 38 Grad Celsius |
| pH-Wert | 4,5 bis 7,5 |
| Probenintegrität | über 80 % |
Marker werden im Urin als Konzentration bestimmt. Wird viel Wasser ausgeschieden, sinkt die Konzentration, ohne dass sich an der ausgeschiedenen Gesamtmenge etwas ändert. Das zeigt sich an den Nachweisfenstern für EtG und EtS: Bei starken Trinkern liegt das Fenster bei einem Cut-off von 0,5 mg/l zwischen 40 und 130 Stunden mit einem Median von 78 Stunden; kreatininkorrigiert verkürzt es sich auf 40 bis 90 Stunden mit einem Median von 65 Stunden. Die Kreatininkorrektur ist also kein Rechentrick, sondern der Versuch, die Verdünnung herauszurechnen. Für den deutschen Entscheidungswert von 100 ng/ml EtG ist das besonders relevant, weil er ohnehin niedrig liegt.
Der Rat ist unspektakulär: normal trinken. Wer vor einem Kontrolltermin ungewöhnlich große Flüssigkeitsmengen aufnimmt – aus Nervosität, sportlicher Gewohnheit oder in der Annahme, dem Körper etwas Gutes zu tun –, riskiert eine unverwertbare Probe und im Wiederholungsfall den Programmabbruch. Auch Sport und Hitze ändern die Ausscheidungslage. Wer regelmäßig entwässernde Arzneistoffe einnimmt, sollte das offenlegen, damit die Konstellation dokumentiert ist, bevor eine Probe auffällt. Haar- und Blutproben sind von der Diurese nicht betroffen: Sie bilden die Einlagerung in die Haarmatrix beziehungsweise die Konzentration im Blut ab und werden durch Trinkmengen nicht verdünnt.
Nicht zwingend. Die Regelwerke unterscheiden: Ein einmalig niedriger Kreatininwert wird toleriert, sehr niedrige Werte gelten dagegen als Manipulationshinweis und führen zum sofortigen Abbruch.
Nein, und es ist auch nicht der Zweck der Regeln. Gefordert ist eine physiologisch normale Probe. Weder eine sehr verdünnte noch eine extrem konzentrierte Probe verbessert die Lage.
Das entscheidet die durchführende Stelle im Rahmen des Programmvertrags. Die 5. Auflage lässt höchstens eine verdünnte Probe hintereinander zu und erkennt sie nicht als Abstinenzbeleg an.
Synonyme: Harnausscheidung, Wasserausscheidung. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM (CTU 1 und CTU 3), Richtlinien der GTFCh, publizierte Studiendaten zu EtG- und EtS-Nachweisfenstern.
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