LEXIKON
Alkoholfreier Wein wirft im Abstinenzkontrollprogramm dieselbe Frage auf wie andere entalkoholisierte Getränke: Reicht der verbliebene Ethanolgehalt aus, um einen Marker über den Grenzwert zu heben? Belegte Messdaten speziell zu Wein liegen nicht vor.
Die vorliegenden kontrollierten Untersuchungen zur unbeabsichtigten Ethanolaufnahme betreffen andere Produkte. Am nächsten liegt Traubensaft: Bei einer aufgenommenen Menge von 0,9 bis 2,5 Gramm Ethanol blieben die Urinproben beim Cut-off von 0,1 mg/l negativ. Alkoholfreies Bier dagegen führte bei reichlichem Konsum von zwei bis drei Litern, entsprechend 7,1 bis 10,7 Gramm Ethanol, zu positiven Befunden bis zu 13 Stunden. Sauerkraut lag bei bis zu fünf Stunden, überreife Bananen bei bis zu dreieinhalb Stunden. Nach 24 Stunden lagen die Werte stets deutlich unter 0,1 mg/l. Diese Zahlen gelten für die jeweils untersuchten Produkte und lassen sich nicht auf entalkoholisierten Wein übertragen.
Der Vergleich zwischen Traubensaft und alkoholfreiem Bier zeigt das Muster: Nicht das Etikett entscheidet, sondern wie viel Ethanol insgesamt aufgenommen wird. Ein geringer Restgehalt in kleiner Menge blieb unauffällig, derselbe Getränketyp in großer Menge nicht. Wer sich an dieser Logik orientiert, braucht keine produktspezifische Tabelle: Je höher der Restgehalt und je größer die Trinkmenge, desto realistischer wird ein auffälliger Befund beim deutschen Entscheidungswert von 100 ng/ml Ethylglucuronid im Urin.
Neben dem Getränk selbst steht Wein als Zutat: in Saucen, Schmorgerichten, Desserts. Ob und wie viel Ethanol nach dem Erhitzen verbleibt, lässt sich mit unserer Quellenlage nicht beziffern, weshalb wir hier keine Zahl nennen. Der praktische Rat ist derselbe wie bei anderen Quellen: bekannte Zutaten meiden, bei Einladungen nachfragen, im Zweifel verzichten. Eine Übersicht über die weiteren Quellen findet sich unter alkoholhaltige Lebensmittel, ergänzend unter fermentierte Lebensmittel und reifes Obst.
Ein isolierter EtG-Befund steht nicht allein. Empfohlen ist die parallele Bestimmung von Ethylsulfat mit einem Cut-off von 50 ng/ml. Der Vorteil: Ethylsulfat wird durch bakterielle Aktivität im Urin weder gebildet noch abgebaut und sichert den EtG-Befund damit ab. Auch das molare Verhältnis beider Marker ist beschrieben, mit einem Median von 0,71 zu 1 und einem Mittelwert von 0,90 zu 1 bei einer Spannweite von 0,05 bis 2,5 zu 1. Grobe Abweichungen weisen auf eine exogene Quelle oder eine Manipulation hin. Bei der Bewertung grenzwertnaher Ergebnisse ist zudem die harmonisierte Messunsicherheit zu berücksichtigen.
Maßgeblich sind die vertraglichen Auflagen der durchführenden Stelle; viele Programme sehen den Verzicht auf entalkoholisierte Getränke ausdrücklich vor. Klären Sie das vor Programmbeginn und nicht nach einem auffälligen Befund.
Die Zahlen zu Bier gelten für Bier. Übertragbar ist nur das Prinzip, dass entscheidend ist, wie viel Ethanol insgesamt aufgenommen wird. Eine Gegenüberstellung finden Sie unter alkoholfreies Bier.
Für die Haaranalyse gilt der Cut-off von 5 pg/mg Ethylglucuronid im kopfhautnahen Segment, der auf wiederholten Konsum abzielt. Einzelne kleine Mengen bilden sich dort nicht in dieser Größenordnung ab, ein regelmäßiges Muster kann es dagegen.
Synonyme: entalkoholisierter Wein, alkoholreduzierter Wein. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: deutsche CTU-Cut-off-Werte, publizierte Studien zur unbeabsichtigten Ethanolaufnahme, Konsenspapiere der Society of Hair Testing.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts- oder MPU-Beratung. Keine Definition in diesem Lexikon erlaubt eine automatische Zuordnung, Diagnose oder Prognose für Ihren konkreten Fall.
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