LEXIKON
Die Harndichte ist das spezifische Gewicht des Urins und damit ein Maß dafür, wie viel gelöste Substanz eine Probe enthält. In Abstinenzkontrollprogrammen dient sie als Verdünnungsindikator: Eine sehr dünne Probe lässt sich nicht sinnvoll auf Spurenkonzentrationen untersuchen. Sie ergänzt dabei den Kreatininwert, ersetzt ihn aber nicht.
Wasser hat definitionsgemäß ein spezifisches Gewicht von 1,000. Alles, was im Urin gelöst ist – Harnstoff, Salze, Kreatinin –, erhöht diesen Wert. Konzentrierter Morgenurin liegt deutlich höher als eine Probe nach reichlicher Flüssigkeitsaufnahme. Gemessen wird in der Praxis mit Teststreifen oder refraktometrisch. Beides sind schnelle Verfahren, weshalb die Harndichte zu den Parametern gehört, die unmittelbar bei der Abgabe geprüft werden können. Die BASt zählt als Prüfparameter auf Probenverwertbarkeit ausdrücklich Kreatininwert, Temperatur, optional spezifisches Gewicht, pH-Wert, Nitrite und Chromate auf.
Für Deutschland ist Kreatinin der führende Parameter; gefordert sind mindestens 20 mg/dl. Eine eigenständige deutsche Grenzwerttabelle für die Harndichte liegt nicht in belegter Form vor. Gut dokumentiert sind dagegen die amerikanischen Kategorien nach 10 CFR § 26.161, die als Vergleichsmaßstab herangezogen werden können:
| Kategorie | Kriterien |
|---|---|
| verdünnt | Kreatinin 2 bis 20 mg/dl und spezifisches Gewicht über 1,0010 und unter 1,0030 |
| substituiert | Kreatinin unter 2 mg/dl und spezifisches Gewicht höchstens 1,0010 oder mindestens 1,0200 |
| adulteriert über den pH-Wert | pH unter 3 oder mindestens 11 |
| ungültig über den pH-Wert | pH mindestens 3 und unter 4,5 oder mindestens 9 und unter 11 |
Bemerkenswert ist die Systematik: Beide Kategorien verlangen zwei zusammentreffende Kriterien. Ein einzelner auffälliger Wert genügt nicht, weil er zu viele harmlose Ursachen haben kann. Auffallend ist auch, dass ein sehr hohes spezifisches Gewicht bei gleichzeitig sehr niedrigem Kreatinin ebenfalls unplausibel ist – eine Kombination, die bei natürlichem Urin nicht auftritt.
Der Kreatininwert bildet die Ausscheidung eines körpereigenen Stoffwechselprodukts ab und hängt unter anderem von der Muskelmasse ab. Die Harndichte erfasst dagegen alle gelösten Bestandteile, also auch solche, die nichts mit dem Stoffwechsel zu tun haben. Gerade in dieser Unterschiedlichkeit liegt ihr Wert: Weichen beide Parameter in unterschiedliche Richtungen ab, ist das ein Hinweis auf einen Eingriff in die Probe. Der deutsche Kontrollrahmen entscheidet gleichwohl anhand des Kreatinins, mit der Staffelung von mindestens 20 mg/dl, höchstens zwei Unterschreitungen und sofortigem Abbruch bei 5,6 mg/dl oder darunter.
Sie gilt als optionaler Prüfparameter neben Kreatinin und Temperatur. Ob sie erhoben wird, richtet sich nach dem Vorgehen der durchführenden Stelle.
Nicht für sich genommen. Eine niedrige Dichte kann schlicht auf hoher Flüssigkeitsaufnahme beruhen; die amerikanischen Kategorien verlangen deshalb ausdrücklich das Zusammentreffen mit einem niedrigen Kreatininwert.
Ja. Ein spezifisches Gewicht von mindestens 1,0200 bei gleichzeitig sehr niedrigem Kreatinin fällt in die Kategorie der substituierten Probe, weil diese Kombination bei natürlichem Urin nicht vorkommt.
Synonyme: spezifisches Gewicht des Urins, Urindichte. Stand der fachlichen Angaben: August 2026. Grundlagen: Beurteilungskriterien 5. Auflage 2026 der DGVP/DGVM, CTU 3; BASt-Ausarbeitung zu Sichtkontrolle und Markerverfahren; 10 CFR § 26.161 als Vergleichsmaßstab.
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